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Kosovo: Energiewende zwischen Kohle, Kosten und knappen Ressourcen

Alte Kraftwerke und hohe Kosten: Das jüngste Land Europas ringt um eine sozial verträgliche Energiewende.

Illustration mit Kosovo-Symbolik: Sechs Sterne zeigen den Wandel von Kohlekraft zu Solar-, Wind- und Wasserkraft.

© Robert Albrecht / BDEW

 

Das Jahr 2026 fing für die Menschen im Kosovo mit Problemen an. Einige Gemeinden kämpften mit Überschwemmungen, die die Trinkwasserversorgung beeinträchtigten. Gleichzeitig geriet die Stromversorgung Mitte Januar unter Druck: Wegen sehr hoher Nachfrage musste das Land zeitweise rund die Hälfte seines Stromverbrauchs importieren. Die Ereignisse machten einmal mehr die strukturellen Schwächen des veralteten Energiesystems deutlich. Mit der Loslösung der damaligen Provinz Kosovo von der Republik Serbien wurde der Kosovo 2008 zu einem der jüngsten Staaten Europas. In dem kleinen Land leben etwa 1,7 Millionen Menschen, wobei viele Kosovaren aus wirtschaftlichen Gründen im Ausland leben. Die zentrale Frage lautet daher: Lässt sich ein veraltetes und ineffizientes Energiesystem umbauen, ohne dabei unbezahlbar zu werden für seine Bürger?

Die Ausgangslage: Viel Braunkohle, wenig Alternativen

Kosovo verfügt über das fünftgrößte Braunkohlevorkommen weltweit. Im Jahr 2025 deckte der Kosovo noch knapp 90 Prozent der heimischen Stromerzeugung mit den beiden Kohlekraftwerken Kosova A und Kosova B. Das erste wurde in den 1960ern erbaut, das zweite in den 1980ern, beide gelten wegen ihres Alters und wiederkehrender Ausfälle als störanfällig. Für die Bevölkerung hat das schwere Folgen: Das derzeitige System ist nicht nur für schlechte Luftqualität verantwortlich, sondern gefährdet mit seinen Ausfällen die Versorgungssicherheit. Besonders im Winter werden bei steigendem Stromverbrauch die Reserven knapp. Einer der Gründe: Die Stromnachfrage – vor allem in Privathaushalten – ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Kosovo muss deshalb in Zeiten hoher Nachfrage einen Teil seines Strombedarfs über den regionalen Markt  importieren.

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Die Importabhängigkeit ist dabei nicht nur ein Mengenproblem, sondern auch ein Kostenproblem. In kalten Perioden und zu Spitzenzeiten muss Kosovo häufig teuren Strom zukaufen. Überschüsse entstehen dagegen vor allem nachts, wenn die Nachfrage und meist auch die Marktpreise niedriger sind.

Der Umbauplan: Mehr erneuerbare Energien, aber wenig Reserve

Dass sich etwas ändern muss, liegt auf der Hand. In welche Richtung es gehen könnte, zeigt die im März 2023 verabschiedete Nationale Energiestrategie: Bis zum Jahr 2031 sollen erneuerbare Energien mindestens 35 Prozent des Stromverbrauchs decken, Treibhausgasemissionen um 32 Prozent gesenkt werden. Mindestens ein Block des Kohlekraftwerks Kosova A soll bis dahin stillgelegt werden.

Das ist ambitioniert. Kosovo muss nicht nur Wind- und Solarenergie ausbauen, sondern zugleich Netze modernisieren, Reservekapazitäten schaffen und Investitionen planbar machen.

Laut Avni Sfishta, Energieexperte und Projektmanager bei der GIZ, hat Kosovo bei der Energiewende einen schwereren Start als viele andere europäische Länder. Denn diese hätten oft diversifizierte Energiesysteme, stärkere Netze und bessere finanzielle Möglichkeiten: “Der Kosovo hat viel weniger Alternativen, was die Energiewende komplexer macht”. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bleibt im Vergleich zur Kohle gering.

Infografik Energieversorgung im Kosovo

Zanfina Kabashi, eine der Autorinnen der im Juni 2026 veröffentlichten Studie „Creating an Investment-Grade Framework for Renewables in Kosovo“, sagt gegenüber der kosovarischen Zeitung Koha, dass es im Land nicht an Potential für den Ausbau Erneuerbarer Energien mangele; wohl aber daran, die Voraussetzungen für die Finanzierung und Umsetzung ernsthafter Projekte zu schaffen.

Doch auch in der Politik stockt es. Im Juni 2026 wurde zum dritten Mal in weniger als 18 Monaten neu gewählt. Die Partei Vetëvendosje („Selbstbestimmung") mit Spitzenkandidat Albin Kurti gewann zwar mit rund 43 Prozent der Stimmen die Wahl. Eine eigene Mehrheit erreichte sie jedoch nicht. Für eine handlungsfähige Regierung braucht Vetëvendosje Partner. Für den Ausbau erneuerbarer Energien, neue Ausschreibungen und den Netzausbau sind verlässliche politische Mehrheiten und handlungsfähige Institutionen entscheidend.

Die soziale Komponente

Entscheidend ist auch, wie sozialverträglich dieser Umbau geschieht. Als im April 2025 die Strompreise um durchschnittlich 16 Prozent erhöht wurden, protestierten Menschen auf den Straßen. Die Kosten für Strom im Verhältnis zum Einkommen sind hoch. Nach verfügbaren, allerdings älteren Daten aus dem Jahr 2018 konnte es sich etwa 40 Prozent der Menschen nicht leisten, ihre Wohnung angemessen warm zu halten. Der damalige Vergleichswert für die EU lag bei gut zehn Prozent.


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Der Staat Kosovo unterstützt bereits Haushalte mit Subventionen für die Energiekosten, was allerdings zu hohen finanziellen Belastungen führt. Die OECD hält das aktuelle Subventionssystem in den westlichen Balkanstaaten für ineffizient: Gezielte Maßnahmen, um vulnerable Gruppen zu entlasten, seien sinnvoller und kostengünstiger bei der Bekämpfung der Energiearmut.

Energie-Experte Sfishta sieht ein großes Potenzial darin, die Energieeffizienz im Gebäudesektor zu stärken. Rund 40 Prozent des Energieverbrauchs im Kosovo entfällt derzeit auf Gebäude. Organisationen wie die GIZ unterstützten Projekte in dem Bereich. Auch Deutschland versucht mit einer Klimapartnerschaft eine schnelle Umsetzung der „Green Agenda for the Western Balkans“ zu ermöglichen.

Fazit: Noch ein weiter Weg zum Energiesystemwechsel

Ob Kosovo seine Kohleabhängigkeit verringern kann, entscheidet sich nicht nur an neuen Wind- und Solarparks. Entscheidend ist, ob das Land zugleich Netze stabilisiert, teure Winterimporte verringert und Haushalte mit niedrigen Einkommen vor steigenden Stromkosten schützt.

Die Energiewende in Kosovo ist damit nicht nur ein technisches oder klimapolitisches Projekt. Sie ist eine soziale Bewährungsprobe: Der Umbau kann nur dann nachhaltig gelingen, wenn Versorgungssicherheit, Investitionen und Bezahlbarkeit zusammen gedacht werden.

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