Magazinheader Systemfrage

Round Table: Warum die Systemintegration jetzt entscheidend ist

Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt voran. Doch entscheidet sich der Erfolg der Transformation inzwischen anderswo?

Illustration Round Table Kerstin Andreae, Ferdinand Rammrath, Tim Meyerjürgens

© Robert Albrecht / BDEW

 

Welche Entwicklung könnte die Energiewende in den nächsten zehn Jahren am ehesten scheitern lassen?
KERSTIN ANDREAE: Sie droht dann zu scheitern, wenn wir Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weg der Transformation verlieren. Diese grundlegende Veränderung ist herausfordernd, erfordert erhebliche Investitionen und von allen Beteiligten viel Ausdauer.

TIM MEYERJÜRGENS: Scheitern ist keine Option – erst recht nicht angesichts der aktuellen geopolitischen Lage. Wir müssen uns schnell von fossilen Energieträgern unabhängig machen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass wir Netzausbau, Erzeugung aus erneuerbaren Energien, Speicher, Digitalisierung und Regulierung als Gesamtsystem zusammendenken

FERDINAND RAMMRATH: Wir scheitern dann, wenn die Energiewende als reines Ausbauprogramm für die Erzeugungskapazitäten erneuerbarer Energien missverstanden wird, ohne das Gesamtsystem und die Netze im Blick zu behalten. Der kritischste Punkt ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wenn wir diese so weit aushöhlen, dass die energieintensive Produktion aus Deutschland abwandert, wäre das ein ökonomischer Fehlschlag.

Trenner Round Table Systemfrage

„Stromsteuer runter – und zwar für alle.“ - Kerstin Andreae, Michael Vassiliadis und Joachim Rock mahnen Entlastungen an und ringen um den richtigen Weg. Zum Gespräch

„Zurück auf Los? Round Table zur Energiewende“ - Kerstin Andreae im Gespräch mit Wolfgang Gründinger, Felix Matthes und Dominik Wirth. Zum Gespräch

„Ist der Kapitalismus noch zu retten?“ – Staatliche Eingriffe oder freies Spiel der Marktkräfte? Kerstin Andreae im Gespräch mit Ulrike Herrmann, Lion Hirth und Klaus Müller. Zum Gespräch

Trenner Round Table Systemfrage

Wer gibt aktuell im Gesamtsystem den Takt vor? Die Politik, die Märkte, Netzbetreiber oder Industrie - oder fehlt uns gerade ein Taktgeber?
TIM MEYERJÜRGENS:
Es geht nicht darum, einen einzelnen Taktgeber zu bestimmen. Politik setzt den Rahmen, Märkte investieren. Netzbetreiber sichern die Systemstabilität. Industrie und Verbraucher hingegen müssen aktiver werden, insbesondere wenn es darum geht, Flexibilitäten bereitzustellen und sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

KERSTIN ANDREAE: Der entscheidende Taktgeber kommt derzeit von außen: Geopolitische Veränderungen machen Unabhängigkeit und Resilienz zu einem Sicherheitsfaktor. Dieser Druck von außen kann sehr positiv wirken, wenn er in eine gesamthafte Strategie übersetzt wird. Daher brauchen wir einen Konsens zwischen Parteien, Bundesregierung, den Ländern und der EU-Kommission, um konsequenter und schneller voranzukommen.

FERDINAND RAMMRATH: Covestro steht als Teil der energieintensiven chemischen Industrie in einem harten Wettbewerb zu China und den USA, vor allem bei den Energie- und Emissionskosten. Für uns zählt nicht nur, wie hoch der Anteil an grünem Strom im Netz ist, sondern vor allem, zu welchen Kosten er zur Verfügung steht. Angesichts des Tempos, das bei der Transformation verlangt wird, fehlen uns oft noch die Voraussetzungen – wie die physische Verfügbarkeit von wettbewerbsfähigem grünem Wasserstoff und die entsprechende Infrastruktur. In Ländern wie den USA oder China herrschen andere Rahmenbedingungen und oft viel pragmatischere Systeme für grünen Strom und grüne Moleküle – das macht es uns hierzulande extrem schwer.

Zitat Ferdinand Rammrath zu internationalem Wettbewerb

KERSTIN ANDREAE: Ich stimme Ihnen zu, dass wir die energieintensive Industrie am Standort halten müssen und die Rahmenbedingungen passen müssen – sei es beim Emissionshandel, bei den Netzentgelten, dem Industriestrompreis oder auch beim Schutz vor Carbon Leakage. Allerdings gilt auch: Energiepreise sind zwar wichtig, aber nicht der einzige Standortfaktor. Andere drängende Reformen – wie bei den Sozialsystemen, im Steuerrecht, beim Arbeitszeitgesetz oder im Fachkräftebereich – wurden hierzulande in den letzten Jahren vernachlässigt. Bei den reinen Energiepreisen werden wir nie eins zu eins mit den USA oder China konkurrieren können; dafür sind die geografischen und subventionspolitischen Gegebenheiten dort zu verschieden.

FERDINAND RAMMRATH: Das eine schließt das andere nicht aus, aber die Energiegesamtkosten und die Kosten für Emissionen sind derzeit das drückendste Problem. Damit meine ich nicht den reinen Börsenstrompreis, sondern das Gesamtpaket: Netzkosten, regulatorische Auflagen und die Frage der Versorgungssicherheit. Wenn dann noch die Verschärfung des europäischen Emissionshandels hinzu kommt, sehen wir uns mit massiven Kosten konfrontiert, die Wettbewerber außerhalb Europas so nicht tragen.

Zeichnung Ferdinand RammrathFerdinand Rammrath ist Chief Procurement Officer (CPO) bei Covestro und in seiner Position unter anderem verantwortlich für den Energieeinkauf.

 

 

 

Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien verändert die physikalische Logik unseres Stromsystems fundamental. Was bedeutet das für die Übertragungsnetzbetreiber?
TIM MEYERJÜRGENS:
Das System ist viel komplexer geworden. Vor zwanzig Jahren mussten wir als Netzbetreiber nur wenige Male im Jahr stabilisierend eingreifen. Heute tun wir das mehrfach täglich. Dass wir trotz dieser Dynamik nach wie vor eine der höchsten Stromverfügbarkeiten weltweit haben, ist ein riesiges Asset für die hochspezialisierte deutsche Industrie. Aber wir müssen uns fragen, was die Kosten treibt. Die Hälfte unserer Netzentgelte resultiert aus Systemkosten – ein hoher Preis, um das Netz stabil zu halten. Als TenneT investieren wir massiv, allein im letzten Jahr zehn Milliarden Euro in Deutschland, was mittelfristig die Systemkosten senken wird. Gleichzeitig gilt aber auch: Wir brauchen konsequent effiziente Lösungen, Stichwort: Freileitungen statt Erdkabel, und mehr Geschwindigkeit.

FERDINAND RAMMRATH: Wenn Sie die Systemkosten und Netze ansprechen, muss ich aus Industriesicht das Thema Flexibilität einbringen. Dieses Potenzial wird oft überschätzt. Die energieintensive Industrie benötigt für ihre hochkomplexen und teuren Großanlagen eine kontinuierliche Vollauslastung, um wettbewerbsfähig zu sein. Jede Megawattstunde, die wir durch einen Lastabwurf nicht verbrauchen, bedeutet einen Produktionsausfall, der bei Vollauslastung nicht wieder nachgeholt werden kann. Das ist ein realer volkswirtschaftlicher Verlust.

TIM MEYERJÜRGENS: Da bin ich bei Ihnen. Niemand erwartet von der Schwerindustrie, dass sie Kernprozesse flexibilisiert, wo es wirtschaftlich unsinnig ist. Aber wir haben enorme Flexibilitätspotenziale in der Sektorenkopplung und im Wärmemarkt. Ich halte übrigens überhaupt nichts von staatlichen Verpflichtungen. Flexibilität sollte stattdessen marktwirtschaftlich vergütet werden damit diejenigen, die Flexibilität bieten können, auch finanziell davon profitieren.

Ein viel diskutiertes Thema in diesem Kontext ist die Überbrückung von Dunkelflauten durch Back-Up Kapazitäten. Die Politik plant aktuell den Bau neuer Gaskraftwerke, was auf Kritik stößt. Brauchen wir diese Kraftwerke?
KERSTIN ANDREAE:
Ja. Weil es ohne steuerbare, gesicherte Leistung nicht geht, wenn Wind und Sonne einmal nicht ausreichend liefern. Hier sprechen wir über moderne Gaskraftwerke, die „H2-ready“ gebaut werden, also perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden. Batteriespeicher können diese enormen Energiemengen für längere „Dunkelflauten“ in absehbarer Zeit nicht allein liefern, denn sie können selbst keinen Strom erzeugen.

Zitat Kerstin Andreae zu Energiewende und Richtungsstreit

Was mir aber auch wichtig ist: Strom macht aktuell rund 20 Prozent unseres Endenergieverbrauchs aus, der Rest entfällt zu großen Teilen auf Gas und Öl. Die Elektrifizierung und Sektorkopplung wird diesen Anteil zwar erhöhen und langfristig durch eine größere Nutzerbasis auch die Netzkosten pro Verbraucher senken, aber wir werden nicht in einer „All-Electric-World“ landen. Wir werden weiterhin Moleküle brauchen und dafür ist die Brücke über Gaskraftwerke hin zum Wasserstoff notwendig.

Im Sozialismus wurden Fünfjahrespläne oft belächelt. Brauchen wir nicht manchmal doch genau diese klare, langfristige Vorgabe, anstatt ständig „agil“ unterwegs zu sein?
TIM MEYERJÜRGENS:
Als Netzbetreiber blicken wir mit dem Netzentwicklungsplan zehn Jahre voraus, mit dem Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 sogar fast 20. Wir wissen also ziemlich genau, was bis wann gebaut werden muss. Dennoch ist der Markt aus meiner Sicht deutlich effizienter als eine Planwirtschaft. Was uns jedoch fehlt, ist das Vertrauen, dass die politischen Spielregeln in zehn Jahren noch dieselben sind wie heute. Die vielen Richtungswechsel der Politik in den letzten Jahren haben Vertrauen gekostet. Wir sprechen über Investitionen in Billionenhöhe für das europäische Gesamtsystem. Europa genießt weltweit enorm hohes Ansehen für seine Rechtssicherheit, aber wir verspielen das gerade, weil wir uns im politischen Kleinklein verfangen.

Zeichnung Tim MeyerjürgensTim Meyerjürgens ist Chief Executive Officer beim größten deutschen Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany.

 

 

 

FERDINAND RAMMRATH: Das möchte ich unterstreichen. Die Industrie braucht stabile, verlässliche Rahmenbedingungen. Wenn Covestro Investitionsentscheidungen für Energieeffizienzprojekte oder neue Technologien trifft, betragen die Planungs- und Bauzeiten mehrere Jahre, und die Anlagen sollen sich über Jahrzehnte amortisieren. Je stärker dieser Business Case von unvorhersehbaren regulatorischen Rahmenbedingungen abhängt, desto größer wird das Risiko.

KERSTIN ANDREAE: Dem möchte ich zustimmen. Die Energiewende ist keine Immer-wieder-Wende: Was wir brauchen, sind Kontinuität im Regulierungsrahmen und verlässliche Leitplanken. Ich möchte zudem den Blick noch einmal auf China richten: Dort wird strategisch genau analysiert, wo die Zukunftsmärkte liegen. Nachdem die Elektromobilität erfolgreich etabliert wurde, investiert China nun massiv in die Wasserstoffwirtschaft und Elektrolyseure. Europa braucht beileibe keine Planwirtschaft oder staatliche Detailsteuerung, aber eine strategische Industriepolitik, die klare Schwerpunkte bei Schlüsselindustrien setzt, damit wir nicht von einer Abhängigkeit in die nächste geraten.

FERDINAND RAMMRATH: Das Stichwort Industriepolitik ist ein echtes Reizthema. Ich wurde von amerikanischen Kollegen schon gefragt, warum es in Europa eigentlich keine echte, strategische Industriepolitik gibt. Darauf hatte ich, offen gestanden, keine Antwort.

KERSTIN ANDREAE: Weil das Thema Industriepolitik bei uns lange Zeit tabuisiert wurde, da man es sofort mit Planwirtschaft gleichgesetzt hat. Das war sehr kurzsichtig. Glücklicherweise wandelt sich der Blick auf die Bedeutung von Schlüsselindustrien und Hightech-Innovationen gerade fundamental.

Spätestens seit dem Ukraine-Krieg und den nachfolgenden geopolitischen Verschiebungen ist klar, dass die Energiewende nur europäisch gelöst werden kann. Denken wir noch zu national?
TIM MEYERJÜRGENS:
Ja. Wenn wir global mit den USA und China konkurrieren wollen, gelingt das nur als geeintes Europa. Nehmen wir das Beispiel Nordsee: Sie ist das energetische Kraftwerk Europas. Über die Hälfte der europäischen Wirtschaftskraft konzentriert sich rund um die Nordsee. Das dort vorhandene enorme Windpotenzial können wir nur effizient erschließen, wenn wir hybride Systeme bauen – also Offshore-Netzanschlüsse mit grenzüberschreitenden Interkonnektoren kombinieren. Das senkt die Kosten, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit – und funktioniert nur europäisch.

Zitat Tim Meyerjürgens zu Rechtssicherheit und internationalem Ansehen

FERDINAND RAMMRATH: Für mich greift der rein europäische Blick zu kurz: Ich muss meine Wettbewerber in den USA und China im Auge behalten. Die große Stärke in Europa ist nach wie vor die Innovationskraft und die exzellente Ausbildung unserer Fachkräfte. Die Energietransformation bietet als Innovationsfeld riesige Chancen, aber sie muss bezahlbar bleiben. Wenn die regulatorischen Auflagen in Europa Produkte so stark verteuern, dass Kunden lieber die Produkte unserer Wettbewerber aus China einkaufen, schießen wir uns ins eigene Knie. Zumal chemische Produkte in China in vielen Fällen mit einem deutlich höheren CO2-Fußabdruck produziert werden. Diese Realität muss dringend in der Politik ankommen.

KERSTIN ANDREAE: Europa ist stark beim Emissionshandel. Er ist der zentrale, marktbasierte Treiber für das Transformationstempo und Innovationen. Wo ich mir auf politischer Ebene eine stärkere europäische Initiative wünsche, ist beim Wasserstoff. Frankreich beispielsweise führt die europäische „Nuclear Alliance“ für die Kernenergie an, die politisch sehr koordiniert auftritt. Beim Wasserstoff fehlt uns eine solche Allianz, die mit einer Stimme spricht und einen pragmatischen, kosteneffizienten Wasserstoffhochlauf vorantreibt.

Zeichnung Kerstin AndreaeKerstin Andreae ist Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW. Zuvor war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende, wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bundestag und Initiatorin sowie Koordinatorin des Wirtschaftsbeirates der Fraktion.

 

FERDINAND RAMMRATH: Ein echtes Problem beim Wasserstoff ist die mangelnde Infrastruktur. Das geplante Wasserstoff-Kernnetz müsste dringend mit einem CO2-Transportnetz zusammengedacht werden, da auch Carbon Capture and Storage (CCS) eine wichtige Rolle spielen wird. Zudem sind die europäischen Kriterien für die Herstellung von grünem Wasserstoff völlig überzogen. Nach unseren Schätzungen resultieren allein 20 Prozent der prognostizierten Wasserstoffkosten aus regulatorischen Auflagen. Damit verteuern wir das System künstlich durch Überregulierung.

Sind wir an einem Punkt, an dem die reine Erzeugung erneuerbarer Energien gar nicht mehr das Hauptproblem ist, sondern die Systemintegration die eigentliche Herkulesaufgabe darstellt?
TIM MEYERJÜRGENS:
Absolut. Wir haben jahrelang den Fokus fast ausschließlich auf den Ausbau von erneuerbaren Energien gelegt. Jetzt stoßen wir an die physischen Grenzen des Netzes, weil das System nicht als Ganzes mitgedacht wurde. Das Reifegradverfahren bei Netzanschlüssen ist ein wichtiger Schritt, um Blockaden zu lösen. Aber als Gesellschaft müssen wir uns auch die Frage stellen: Für wen bauen wir dieses System und welche Sektoren haben Priorität? Das ist keine Entscheidung, die wir als Netzbetreiber treffen können, sondern eine gesellschaftliche und politische Aufgabe.

FERDINAND RAMMRATH: Es wird in der Industrie immer ein Nebeneinander von Strom und Molekülen geben, allein weil wir diese auch stofflich für die Produktion benötigen. Zur Systemintegration gehört daher unbedingt die technologische Offenheit. Vor einigen Jahren galt die vollständige Elektrifizierung aller Prozesse auch für die chemische Industrie noch als Allheilmittel. Mittlerweile setzt sich die Einsicht durch, dass eine reine Elektrifizierung von großen Gasverbrauchern oft an den physikalischen Grenzen der Netzanschlüsse und den immensen Ausbaukosten scheitern würde.

Wagen wir einen positiven Blick in die Zukunft. Was müsste in zehn Jahren Realität geworden sein, damit Sie sagen: Wir haben die Systemfrage der Energiewende erfolgreich gelöst?
KERSTIN ANDREAE:
In zehn Jahren muss der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsektor stabil bei mindestens 80 Prozent liegen. Das wird einen echten, dämpfenden Preiseffekt haben. Entscheidend ist dabei, dass wir die Systemkosten im Griff behalten. Zudem hoffe ich, dass die europäische Wasserstoffallianz bis dahin große, sortenreine Mengen für die Grundstoffindustrie bereitstellt. Beim Netzausbau erwarte ich durch die Beschleunigungspakete ein deutlich höheres Tempo – zehn Jahre Planungszeit können wir uns nicht mehr leisten. Und schließlich muss die Digitalisierung der Netze für echte operative Effizienz genutzt werden und nicht für immer komplexere Abrechnungssysteme.


Abo Newsletter Magazin Zweitausend50


TIM MEYERJÜRGENS: Für mich sind es vier wesentliche Punkte. Erstens müssen Netzausbau, Flexibilitäten und Erzeugung synchron gewachsen sein, um ein stabiles und bezahlbares Gesamtsystem zu garantieren. Zweitens muss jeder Akteur – ob Einspeiser oder Verbraucher – über smarte Preissignale und Anreize dazu gebracht werden, sich systemdienlich zu verhalten. Drittens unterstützen die neuen Gaskraftwerke als verlässlicher Partner bei der Absicherung von Dunkelflauten. Und viertens müssen wir die veralteten Regeln der letzten zwanzig Jahre durch moderne, flexible Marktregeln ersetzen. Dafür sollte die Politik zügig einen echten Branchendialog auf Augenhöhe starten, statt Vorgaben von oben herab zu diktieren.

FERDINAND RAMMRATH: In Fachmagazinen werden wir lesen, dass der synchrone Ausbau von Erneuerbaren, Netzen und Speichern die Versorgungssicherheit des Standorts erfolgreich garantiert hat. Im Boulevard könnte von hoher gesellschaftlicher Akzeptanz und gelebter Technologieoffenheit die Rede sein. Und auf der Covestro-Webseite wird stehen: Europa hat sein Energiesystem so erfolgreich transformiert, dass die energieintensive Industrie in Europa wieder hochgradig wettbewerbsfähig ist, hierzulande investiert und zukunftssichere, hochqualifizierte Arbeitsplätze sichert.

Vielen Dank für das Gespräch.


Zurück zum Magazin-Schwerpunkt „Systemfrage“

Suche