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BDEW zur Stromverbrauchsanalyse des BMWi:

Höherer Strombedarf macht Beschleunigung des Erneuerbaren-Ausbaus notwendig

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, zur Stromverbrauchs-Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums:

„Es ist schon seit Langem klar, dass mehr Strom benötigt wird, wenn Millionen E-Autos und Wärmepumpen auf dem Markt sind und immer mehr grüner Wasserstoff produziert wird. Die zunehmende Digitalisierung wird den Stromverbrauch zusätzlich erhöhen. Es ist daher richtig, dass das Bundeswirtschaftsministerium seine Erwartungen an den künftigen Stromverbrauch nun hochgeschraubt hat.

Die CO2-Minderungsziele des novellierten Bundes-Klimaschutzgesetzes haben den Handlungsdruck noch einmal deutlich verschärft. Der BDEW geht von einem noch größeren Strombedarf in Höhe von etwa 700 TWh aus. Aus unserer Sicht ist zudem ein höherer Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 70 Prozent bis 2030 erforderlich, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. Und es macht einen Unterschied, ob wir 500 Mrd. kWh Strom zu mindestens 70 Prozent erneuerbar erzeugen müssen oder 700 Mrd. kWh. Dadurch wird eine Anhebung der Ausbaupfade im EEG notwendig: Dies könnte für 2030 etwa 100 Gigawatt (GW) für Windenergieanlagen an Land, 11 GW für Biomasse und mindestens 150 GW für PV (Dach und Freifläche) bedeuten.

Es müssen deshalb endlich die Hemmnisse für den Ausbau der Windenergie an Land beseitigt und ein PV-Boom ausgelöst werden. Auch ein schnellerer Netzaus- und Umbau wird durch den steigenden Strombedarf noch dringlicher. Nur so wird sichergestellt, dass grüne Energie jederzeit dorthin gelangen kann, wo sie gebraucht wird. Hierfür werden Milliarden-Investitionen erforderlich sein.

Um die Versorgungssicherheit auf dem aktuell sehr hohen Niveau zu halten, müssen zudem alle Flexibilitätspotenziale beispielsweise über Lastmanagement und Speicher gehoben werden. Unabdingbar für die erforderliche gesicherte Leistung ist ein Zubau von Gaskraftwerken, die Wasserstoff-ready sind und zunehmend mit erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen betrieben werden. Hierfür müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Welche Herausforderung vor uns liegt, wird deutlich, wenn wir den Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Primärenergiebedarf in Deutschland betrachten: Hier haben regenerative Energien erst einen Anteil von 17 Prozent.

Die Energiewirtschaft steht bereit, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Denn: Investitionen in die Energiewende lohnen sich doppelt. Sie tragen nicht nur zu einer sauberen Energiewelt und damit zum Kampf gegen den Klimawandel bei, sondern schaffen auch ganz konkret Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum in der Region.“

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