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Wohnbaugruppe Augsburg - Baujahr: 1974, Klimaschutzstandard: 2050

Wie kann man die Wärmewende in Städten voranbringen? Hier setzen Quartierslösungen an: Von Sektorkopplung bis KI, von Contracting bis Power-to-Gas integrieren sie moderne Energie­konzepte, Technologien und Dienstleistungen. Teil 1 unser Serie "Lokalrunde". Diesmal: Augsburg

Augsburg

© Foto: shutterstock

Sie sind alt, oft zu alt: Mehr als die Hälfte der Heizungsanlagen in deutschen Kellern sind 15 Jahre oder länger in Betrieb, fast ein Viertel bringt es sogar auf 25 und mehr Jahre. Kein Wunder, dass sie nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Die paar Heizungen ...? Von wegen: Raumwärme machte zuletzt 27 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland aus. Allerdings kommt der kollektive Kesseltausch nur schleppend voran. Besonders niedrig ist die Modernisierungsbereitschaft in Mehrfamilienhäusern. Hier liegt der Altersdurchschnitt der Heizungen bei fast 18 Jahren, während er in Ein- und Zweifamilienhäusern "nur" 16 Jahre beträgt, so die BDEW-Studie "Wie heizt Deutschland?": Weil Vermieter nicht direkt profitieren, wird erst gar nicht investiert. 

Was tun? Quartierskonzepte!

Bewegung in den Gebäudebestand bringt ein integrierter und dezentraler Ansatz: Quartierskonzepte. Modernisierungslösungen also, bei denen nicht auf der Ebene von Wohnungen oder Heizungskellern gedacht wird, sondern in ganzen Siedlungen, die gesammelt energetisch optimiert werden. Nach dem Motto "Wenn schon, denn schon" bleibt es dann nicht beim Kesseltausch: Zum neuen Energiekonzept gehört oft die Sanierung von Dächern, Fenstern und Fassaden. Ansätze zum altersgerechten Wohnen, für mehr Einbruchschutz oder zur Einbindung alternativer Mobilität lassen sich im Zuge dessen umsetzen, auch Denkmalschutzanforderungen müssen je nach Baujahr berücksichtigt werden.

Durch die schiere Dimension der Projekte entstehen neue Möglichkeiten für eine dezentrale und weitestgehend autarke Versorgung: Die Energie wird vor Ort nicht nur verbraucht, sondern auch effizient und klimaschonend erzeugt. Dabei spielen Erneuerbare Energien kombiniert mit Energieeffizienz und Speicherlösungen eine wichtige Rolle – ­dank innovativer Technologien und Dienstleistungen lassen sie sich in Quartieren aufeinander abstimmen und vernetzen. So kann eine Photovoltaikanlage mit Elektroladesäulen und einem Mieterstromangebot kombiniert werden, Power-to-Heat mit einem Nahwärmenetz oder Kraft-Wärme-Kopplung über ein Contracting-Modell umgesetzt werden, je nachdem, was sich vor Ort eben rechnet. Die Kopplung der Sektoren Wärme, Strom und Verkehr ist jedenfalls bei vielen modernen Quartiers­lösungen schon heute in der Praxis angekommen. 

In unserer Serie "Lokalrunde" stellen wir Quartierskonzepte aus unterschiedlichen Städten vor, die alle vor der gleichen Herausforderung stehen: Die städtische Wärmewende gestalten. Teil 1: Augsburg

Wohnblock der Wohnbaugruppe Augsburg 

Dass Eigentümer sich eine Photovoltaikanlage aufs Dach stellen, ist nichts Besonderes mehr. Im 1970er-­Jahre-Wohnblock der Wohnbaugruppe Augsburg in der Marconistraße ist das anders: Hier ist die Solaranlage Baustein eines bundesweiten Pionierprojekts. Denn die Module auf dem Dach sind mit einer Power-to-Gas-Anlage verbunden, die in die dezentrale Energieversorgung der 70 Wohneinheiten integriert ist – so wie ein Blockheizkraftwerk, Brennwertthermen, Gastanks und ein Wärmespeicher. Die Versorgung ist dadurch flexibel: Der Solarstrom lässt sich zwischenspeichern, wenn er nicht direkt verbrauchet wird.


Augsburg

Hinter Konzept und Umsetzung steht die Firma Exytron. Die setzt bei ihrer Power-to-Gas-Technologie auf ein Kreislaufprinzip: Mithilfe des überschüssigen Solarstroms wird per Elektrolyse Wasserstoff erzeugt, der anschließend zu synthetischem Erdgas methanisiert wird – das dafür nötige CO₂ stammt aus der Verbrennung des Blockheizkraftwerks. Das synthetische Erdgas wiederum wird bei Bedarf über das Blockheizkraftwerk und die Brennwerttherme in Strom und Wärme umgewandelt; auch die Abwärme bleibt im System. 

Nutzungsgrad 90 Prozent

Der Nutzungsgrad von rund 90 Prozent ist laut Exytron bisher unerreicht. Zu­sam­men ersetzen die Komponenten einen in die Jahre gekommenen Ölheizkessel. "Der Vorteil liegt darin, dass sich die Anlage ohne großen Auf­wand in ­be­stehende Gebäude einbauen lässt", sagt Alfred Müllner, Geschäfts­führer der Stadtwerke Augsburg. Zusätzlich wurde der Wohnblock nach KfW-Effizienzstandard 100 saniert. 

Das spiegelt sich in der Klimaschutzbilanz: Der Ausstoß von CO₂, Stickstoffoxid und Feinstaub soll um ­mindestens 70 Prozent sinken, der CO₂-Fußabdruck des Gebäudes das Niveau eines Passivhaus Plus erreichen. Das schaffen ­bisher lediglich Neubauten – für Bestandsbauten sieht die Bundesregierung diesen Klimaschutzstandard erst ab 2050 vor. 

Text: Christiane Waas



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