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Vergleich der Abwasserentsorgung in Sachsen-Anhalt bestätigt: Vorgaben der EU-Richtlinie übertroffen

Drei Mal haben sich die Abwasserversorger Sachsen-Anhalts bereits in einem Benchmarking-Projekt verglichen. Die beteiligten Unternehmen entsorgen 22 Prozent des Schmutzwassers in dem Bundesland und repräsentieren etwa ein Drittel der Bevölkerung. Zwei Herausforderungen wurden erkannt.

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© Avatar_023/ Shutterstock

Der Projektbericht sieht zwei große Herausforderungen für die Abwasserbranche in Sachsen-Anhalt: Zum einen sei dies die Finanzierung der verschiedenen Kosten für die Anlagen und deren Erhalt. Dafür müssten rechtliche Rahmenbedingungen bezüglich der Bilanzierung und insbesondere Behandlung von Entgeltüberschüssen nach Kommunalabgabengesetz überdacht werden. Zum anderen sei eine Erhöhung der Effektivität von Reinvestitionen bzw. ein nachhaltig optimaler Mitteleinsatz für Rehabilitationsmaßnahmen zwingend geboten.

Die durchschnittliche Inspektionstätigkeit des Kanalnetzes sei ausbaufähig, jedoch eine Herausforderung in finanzieller wie personeller Hinsicht, so der Projektbericht. Die Entwicklung der Ausgaben für Ersatz und Erneuerung zeige einen deutlichen Anstieg der Reinvestitionskosten um 160 Prozent und des Sanierungsaufwands um 12 Prozent. Dies sei einerseits in der sehr angespannten Situation auf dem Baumarkt und andererseits in hohen Baupreisen begründet.

Bevölkerungsrückgang und fixe Kosten 

Der jährliche Bevölkerungsrückgang von 0,78 Prozent in den vergangenen 10 Jahren führte zu einer Reduzierung der Bevölkerungsdichte um 8 Prozent sowie zu einer Erhöhung der Kanalnetzlänge je Einwohner um 1 Prozent, sodass in der Folge u. a. die hohen fixen Kosten auf eine geringere Anzahl von Einwohnern verteilt werden müssten. 

Kundenservice

Die „Rund um die Uhr“-Erreichbarkeit der Entsorger sei dank der modernen Technik bei fast allen Projektteilnehmern gegeben, so der Projektbericht. In 2019 gingen ca. 12 Kundenbeschwerden jeglicher Art je 1.000 Hausanschlussleitungen ein. Die sich vergleichenden Unternehmen haben für Kundenaufgaben 43 Euro je Kundin oder Kunde aufgewendet (z. B. für Anschlusswesen, Kundenmanagement und Abrechnung). 

Reinigungsleistungen übertreffen Vorgaben der EU-Richtlinie

Der Auslastungsgrad der Kläranlagen lag bei fast 73 Prozent. Dabei sind die Reinigungsleistungen der betrachteten Kläranlagen beachtlich: Sie übertreffen mit 96,6 Prozent für die Elimination des chemischen Sauerstoffbedarfs, mit 92,6 Prozent für die Elimination von Gesamt-Stickstoff sowie 93,4 Prozent für die Elimination von Gesamt-Phosphor teilweise deutlich die Anforderungen der EU-Kommunalabwasserrichtlinie.

Projektstruktur

18 Unternehmen nahmen an dem Vergleich teil. Bezugsjahr war 2019. Die Beteiligten betreiben mit 146 Kläranlagen aller Größenklassen 62 Prozent der Anlagen in Sachsen-Anhalt. Im Allgemeinen sind die Entsorgungsgebiete aller Teilnehmer eher ländlich geprägt, die Strukturen sind jedoch sehr heterogen.

Der Kennzahlenvergleich Abwasserbeseitigung findet im jährlichen Wechsel mit dem Kennzahlenvergleich für Trinkwasser statt. Er ist freiwillig und bietet den teilnehmenden Abwasserentsorgern die Möglichkeit, sich miteinander zu vergleichen und eigene Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Das Projekt wird von der Landesgruppe Mitteldeutschland des BDEW maßgeblich begleitet und unterstützt. Schirmherrin war Prof. Dr. Dalbert, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Bundeslandes, die auch bei der digitalen Abschlussveranstaltung im April 2021 dabei war.

BDEW empfiehlt Benchmarking

Der BDEW empfiehlt seinen Mitgliedern die Teilnahme und fördert die Umsetzung von Benchmarking-Projekten, vor allem da die Umweltminister der Bundesländer das Ziel ausgegeben haben, dass 80 Prozent der abgegebenen Wassermenge in einem Bundesland von einem Benchmarking-Projekt erfasst sein sollen (innerhalb der vergangenen drei Jahre). 

Service des BDEW

Neben einer Übersichtsseite finden Sie alle aktuellen öffentlichen Berichte der Benchmarking-Projekte auf unserer Website:

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