Die EU Renewable Energy Directive (RED) ist seit mehr als 15 Jahren Kernbestandteil der europäischen Energiepolitik. Die bisherigen Vorgaben, u.a. das verbindliche, übergeordnete Erneuerbare-Energien-Ziel (EE-Ziel) der EU von mindestens 42,5 Prozent bis 2030, zeigen einigen Erfolg: Der kontinuierlich zunehmende EE-Anteil an der Bruttostromerzeugung (2025 EU-weit bereits 47,5 Prozent, in Deutschland 59 Prozent) verdeutlicht das hohe Engagement der europäischen Energiewirtschaft bei der Transformation des Energiesystems und hat durch Innovationen und Investitionen die Weichen für das Erreichen der Klimaneutralität im Jahr 2050 gestellt. Nimmt die Elektrifizierung des Endenergieverbrauchs weiter zu, entfallen die hohen Umwandlungsverluste von fossilen Verbrennungstechnologien im Vergleich zu den adäquaten elektrischen Anwendungen (z.B. Verbrennungs- vs. Elektromotor) und der Bruttoendenergieverbrauch sinkt – ein Hebel für mehr Effizienz, Versorgungssicherheit und Resilienz des Gesamtsystems. Der EE-Anteil am gesamten Bruttoendenergieverbrauch der EU lag 2024 jedoch nur bei 25,2 Prozent; weitere Anstrengungen sind besonders im Bereich Wärme und Kälte – dieser steht für rund die Hälfte des Endenergieverbrauchs – sowie im Verkehrssektor nötig.
Für das Energiesystem der Zukunft sind die EE-Technologien kombiniert mit Speichern, Flexibilitäten und auf Basis erneuerbarer und kohlenstoffarmer Brennstoffe betriebenen Kraftwerken wesentliche Säulen der Netzstabilität, Versorgungssicherheit und Resilienz und tragen zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Andererseits ist die Nutzung der EE in verschiedenen Anwendungen noch nicht wirtschaftlich oder mit für Investoren zu hohen Risiken verbunden, was den weiteren EE-Ausbau erschwert.
Grundlegende Forderungen des BDEW:
- Am verbindlichen Erneuerbare-Energien-Ziel festhalten und Zielarchitektur entschlacken
- Elektrifizierung und Moleküle komplementär voranbringen
- Kohärenz schaffen und Rechtssicherheit erhalten
- Kooperation der Mitgliedstaaten und Kopplung der Sektoren stärken
Die „RED post 2030“ muss an einem verbindlichen, ambitionierten EE-Ziel festhalten und durch flankierende Maßnahmen den EE-Ausbau unterstützen. Ein verbindliches EE-Ziel ermöglicht größere Investitionssicherheit und hilft damit, durch economies of scale und Sichtbarkeit für Investoren, die Kapitalkosten zu reduzieren, Projektpipelines besser zu planen und auch für Komponentenhersteller Sichtbarkeit für die Nachfrage und damit Produktionskapazitäten – insbesondere in Europa – zu stärken. Für die Energie-Souveränität der Europäischen Union sind dies zentrale Aspekte.
Für die erfolgreiche Energiewende ist das Zusammenspiel von Elektronen und Molekülen entscheidend. Neben der verstärkten Elektrifizierung von Wärme, Transport und Produktionsprozessen bedarf es der komplementären Nutzung erneuerbarer und kohlenstoffarmer Moleküle, insbesondere in Sektoren, in denen eine Elektrifizierung technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Nur gemeinsam können Grünstrom und erneuerbare bzw. kohlenstoffarme Moleküle eine stabile, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung garantieren und zugleich die europäische Resilienz und strategische Souveränität Europas stärken.
Ein verbindliches EE-Ziel und der Vertrauensschutz für die in den Mitgliedstaaten gemäß den Regeln der RED III verabschiedeten Gesetze und für die Investitionen in den weiteren EE-Ausbau müssen für die Zeit nach 2030 klar im Fokus der EU-Kommission stehen. Dabei sind die Regeln der RED III zwar in Teilen optimierbar, bilden aber grundsätzlich eine gute Basis für den weiteren und weiterhin nötigen EE-Ausbau. Rechtssicherheit, die weitere Implementierung in die Regulatorik der Mitgliedstaaten sowie die pragmatische Umsetzbarkeit der RED müssen im Vordergrund stehen.
Über die RED und ihre EE-Ausbauziele hinaus müssen die Entwicklung der Netzinfrastrukturen für Strom und Moleküle sowie die Maßnahmen für die Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren integriert vorangebracht werden. Dabei ist die Kohärenz aller regulatorischen Maßnahmen im Energiebereich unabdingbar.
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