Redispatch 2.0

Branchenlösung im BDEW


Inhalt

1. Allgemeine Hintergrundinformationen
2. Das Projekt „Redispatch 2.0“ im BDEW
3. Termine
4. Kontakt
5. Weiterführende Informationen
6. Frequently Asked Questions (FAQ)

7. Aktuelle Inhalte

Allgemeine Hintergrundinformationen

Stromnetzbetreiber sind nach dem Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet, für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Elektrizitätsversorgung in ihrem Netz zu sorgen (§§ 13, 14 EnWG). Für die Sicherheit der Netzstabilität und zur Vermeidung von Netzengpässen werden Redispatch-Maßnahmen durchgeführt.

Was ist Redispatch?

Der Begriff „Redispatch“ steht für eine Abänderung des vorgesehenen Kraftwerkseinsatzes zur Vermeidung von Netzengpässen. Für die Sicherung der Netzstabilität wird derzeit primär von den Übertragungsnetzbetreibern eine Übersicht (Lastfluss- oder Netzbelastungsberechnung) über die voraussichtlichen Ein- und Ausspeisungen auf den verschiedenen Netzebenen erstellt und genutzt. Falls die Lastfluss- oder Netzbelastungsberechnung Netzengpässe erwarten lassen, werden sogenannte Redispatch-Maßnahmen ergriffen. In der Regel hat dies zur Folge, dass zusätzliche Kraftwerke, etwa in verbrauchsstarken Regionen, aktiviert werden beziehungsweise angewiesen werden, ihre Leistung zu erhöhen. Gleichzeitig werden andere ursprünglich in der Kraftwerkseinsatzplanung vorgesehene Kraftwerke, die aufgrund ihrer geographischen Lage zur Entstehung des Netzengpasses beitragen, angewiesen, ihre Leistung zu reduzieren. Redispatch wird heute mit konventionellen Großkraftwerken ab 10 MW durchgeführt.

Eine Anschauliche Erklärung des grundsätzlichen Vorgehens bietet folgendes Video der Bundesnetzagentur zum Thema.


Was ist Redispatch 2.0?

Das zum 13. Mai 2019 in Kraft getretene Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) enthält neue Vorgaben für das Management von Netzengpässen, die von den Netzbetreibern zum 1. Oktober 2021 umgesetzt sein müssen.

Die Regelungen zum Einspeisemanagement von Erneuerbare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) werden zu diesem Zeitpunkt aufgehoben und ein einheitliches Redispatch-Regime (Redispatch 2.0) nach §§ 13, 13a, 14 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) eingeführt. Konkret bedeutet dies, dass zukünftig auch EE-Anlagen und KWK-Anlagen ab 100 kW sowie Anlagen, die jederzeit durch einen Netzbetreiber fernsteuerbar sind, in den Redispatch einbezogen werden. Die Regelungen des NABEG sind demnach potentiell für alle 890 Verteilnetzbetreiber in Deutschland relevant.  

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Abbildung: Vereinfachte Prozessdarstellung erzeugungsseitiger Maßnahmen zur Engpassbeseitigung durch den Netzbetreiber vor und nach Stichtag der Neuregelung

Die neuen Regelungen beruhen stärker auf Plandaten und Prognosen und bringen für die Netzbetreiber, aber auch für Erzeuger und Direktvermarkter neue Aufgaben mit sich, die der intensiven Vorbereitung bedürfen.

Das sind insbesondere:

- Intensive Kooperation der Netzbetreiber bei der Behebung von Netzengpässen durch Redispatch unter der Maßgabe möglichst geringer Gesamtkosten über alle Netzebenen hinweg und unter Einhaltung der Netz- und Versorgungssicherheit.

- Generierung und Zurverfügungstellung der für das Redispatch notwendigen Daten.

- Übernahme der Verantwortlichkeit für den bilanziellen und finanziellen Ausgleich sowie die Abwicklung der Abrechnungsprozesse durch den Netzbetreiber.

Das Projekt Redispatch 2.0 im BDEW

Für die Umsetzung der gesetzlichen Regelungen bedarf es eines einheitlichen Branchenverständnisses zu den mit den neuen Aufgaben verbundenen Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozessen sowie deren Umsetzung.

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Der BDEW hat sein Projekt Redispatch 2.0 Ende Juni 2019 mit dem Ziel gestartet, eine Branchenlösung für das zukünftige Redispatch-Regime in Deutschland zu erarbeiten.

Bereits im Jahr 2018 haben Übertragungsnetzbetreiber und Verteilnetzbetreiber im BDEW ein gemeinsames Verständnis zur Bewältigung der Herausforderungen des Netzbetriebs der Zukunft entwickelt. Das entsprechende Diskussionspapier finden Sie hier.

Im BDEW sind die Übertragungsnetzbetreiber und Verteilnetzbetreiber aller Größenklassen und Spannungsebenen organisiert. Die Stromnetzbetreiber im BDEW stehen für 95 Prozent des deutschen Stromnetzes. Daneben sind im BDEW alle wesentlichen Gruppen von Energieerzeugungsanlagenbetreibern (Großkraftwerksbetreiber, Betreiber von EE- und KWK-Anlagen), über Speicherbetreiber bis hin zu Direktvermarktern vertreten.

Zielstellung

Ziel des BDEW-Projekts Redispatch 2.0 ist die Erarbeitung einer Branchenlösung zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben im NABEG 2.0 unter:

- Berücksichtigung der Belange aller betroffenen Wertschöpfungsstufen,

- Beachtung der Zeitvorgaben und

 -Beachtung der bereits im BDEW erstellten Vorarbeiten für die Koordination des Engpassmanagements.

Andrees Gentzsch, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im BDEW erklärte hierzu:
"Zukünftig sollen Netzengpässe über alle Netzebenen hinweg unter Einbezug aller wesentlichen Energieanlagen effizient behoben werden. Hierzu brauchen wir einheitliche Prozesse in der Branche, die weitgehend automatisiert ablaufen können. Ganz zentral ist dabei die enge Zusammenarbeit der Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreiber unter Mitwirkung der betroffenen Anlagenbetreiber."

Inhalte der Branchenlösung

Die BDEW-Branchenlösung zum Redispatch 2.0 umfasst grundsätzlich alle Regelungen und Standards, die für die gemeinsame Umsetzung der neuen Vorgaben des NABEG 2.0 erforderlich sind. Insbesondere sind dies:

- Die Erarbeitung des (zusätzlichen) Datenbedarfs jedes Netzbetreibers zur Durchführung des Redispatch

- Die benötigten Anforderungen des Datenaustauschprozesses zwischen Anlagenbetreibern und Netzbetreibern sowie zwischen den Netzbetreibern

- Die Vorbereitung der Regelungen für den finanziellen und bilanziellen Ausgleich sowie die Abrechnung des Redispatch

Durch neue Prozesse im Rahmen des Redispatch 2.0 können Datenbedarfe entstehen, die hinsichtlich der Meldeschwellen und Inhalte den Netzbetreibern auf Basis der bestehenden gesetzlichen und regulatorischen Anspruchsgrundlagen bisher nicht zur Verfügung stehen. Je nach Ausgestaltung der Bilanzierungs- und Abrechnungsmodelle kann zudem ein zusätzlicher Datenaustausch für den Bilanzierungs- bzw. Abrechnungsprozess notwendig werden. Es gilt also, einerseits die neuen Datenbedarfe zu identifizieren und andererseits den Datenaustauschprozess zwischen Netzbetreibern und Anlagenbetreibern zu definieren.

Da Netzengpässe zukünftig über alle Netzebenen hinweg unter Einbezug aller wesentlichen Energieanlagen effizient behoben werden sollen, müssen darüber hinaus Prozesse für den Redispatch 2.0 entwickelt werden, die weitgehend automatisiert, sicher und reibungslos ablaufen. Die hohe Anzahl an Marktakteuren erfordert eine effiziente und kostengünstige Abwicklung über einheitliche, standardisierte Marktprozesse.

Der BDEW hat langjährige Erfahrung mit der Koordination und Erarbeitung von Marktprozessen sowie den dazugehörigen Datenformaten. Durch Festlegungen der Bundesnetzagentur (oder durch Regelungen zur Kooperationsvereinbarung Gas im Gassektor) werden diese Prozesse für alle Marktakteure verbindlich festgeschrieben.

Auch mit Blick auf die Festlegung von neuen Prozessen, Prozessanpassungen und Datenformaten für den Redispatch 2.0 steht der BDEW in engem Austausch mit der Bundesnetzagentur, damit bis zum 1. Oktober 2021 alle für die Umsetzung des Redispatch 2.0 erforderlichen Schritte umgesetzt werden können.

Parallel zur Erarbeitung der Branchenlösung werden weitere Stakeholder, wie beispielsweise das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und andere Verbände, über den Stand der Arbeiten informiert.

Zeitplan

Die Umsetzung des Projekts Redispatch 2.0 ist in vier Phasen unterteilt:

1. die fachliche Ausgestaltung,

2. die Ausgestaltung der Marktprozesse,

3. die Ausgestaltung der Datenformate und

4. die Implementierung in den Unternehmen.

Die fachliche Ausgestaltung beinhaltet die Spezifizierung zusätzlicher Datenbedarfe sowie die Erarbeitung notwendiger Anpassungen an den Bilanzierungs- und Abrechnungsmodalitäten im Zuge des Redispatch 2.0. Zu Beginn des vierten Quartals 2019 sollen die Arbeiten der entsprechenden Arbeitsgruppen abgeschlossen sein. Die Ausgestaltung der Marktprozesse soll bis zum Ende des dritten Quartals 2020 abgeschlossen sein und beinhaltet die Modellierung der Prozesse, die Qualitätssicherungen, das Freigabeverfahren und das Festlegungsverfahren zu den Prozessen der Bundesnetzagentur.

Die Ausgestaltung der Datenformate soll bis zum Ende des ersten Quartals 2021 abgeschlossen sein und beinhaltet die Festlegung der Standards, die Ausgestaltung der Formate, die Konsultation und die Festlegung.

Die Implementierungsphase bei den Unternehmen soll bis zum Ende des dritten Quartals 2021, pünktlich zur Umsetzungsfrist des NABEG, abgeschlossen sein.

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Termine

Der BDEW wird zum Thema Redispatch 2.0 in regelmäßigen Abständen Informationsveranstaltungen in Form von Informationstagen, Konsultationsworkshops und Webinaren anbieten. Sobald Termine feststehen, werden sie an dieser Stelle bekannt gegeben.

BDEW-Informationstag „Systemverantwortung der Stromverteilernetzbetreiber“ am 11. September 2019 in Mannheim zu den Auswirkungen der neuen Regelungen, insbesondere auf den BDEW/VKU-Kaskaden-Leitfaden 4.0 und die FNN-Anwendungsregel VDE-AR-N 4140

BDEW-Informationstag „Einspeisemanagement 3.0“ am 24. September 2019 in Fulda zu den Änderungen der gesetzlichen Vorgaben für das Einspeisemanagement

BDEW-Informationsveranstaltung „Redispatch 2.0“ am 26. November 2019 in Berlin zu allen Neuerungen im Zusammenhang mit der Überführung des EEG-Einspeisemanagements in den Redispatch nach dem EnWG

Kontakt beim BDEW

Projektleiter Redispatch 2.0
Dr. Sandu-Daniel Kopp
Fachgebietsleiter
Netzwirtschaftliche Grundsatzfragen
Geschäftsbereich Energienetze, Regulierung und Mobilität
Tel: +49 30 300 199-1111
E-Mail: sandu-daniel.kopp@bdew.de

Ansprechpartner Presse
Jan Ulland
Pressesprecher/ Press Spokesman
Tel: +49 30 300 199-1160
E-Mail: presse@bdew.de


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