Drucken

Stadtwerke Wittenberge: Wärmewende mit Flusswärme

Wie ein Stadtwerk mit Flusswärme neue Maßstäbe für die kommunale Wärmewende setzt.

Wärmetaucher

© Stadtwerke Wittenberge GmbH

Die Wärmewende findet vor Ort statt und erfordert Lösungen, die sowohl praxistauglich als auch skalierbar sind. Die Stadtwerke Wittenberge zeigen mit ihrem Flusswärmeprojekt, wie ein solcher Ansatz erfolgreich umgesetzt werden kann. Ausgangspunkt ist die Nutzung der Stepenitz als lokale Wärmequelle.

Kern des Projekts ist die Integration einer Großwärmepumpe in das bestehende Fernwärmesystem. Diese nutzt das Wasser der nahegelegenen Stepenitz, um Umweltwärme zu gewinnen, auf ein höheres Temperaturniveau anzuheben und in das Wärmenetz einzuspeisen. Die räumliche Nähe zwischen Fluss und Erzeugungsanlage schafft dabei entscheidende Vorteile hinsichtlich Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig wird das System nicht isoliert betrachtet, sondern bewusst in eine bestehende Infrastruktur eingebettet. Die Kombination aus Wärmepumpe, Kraft-Wärme-Kopplung und weiteren Komponenten ermöglicht einen flexiblen und resilienten Betrieb.

Darüber hinaus verdeutlicht das Projekt die Bedeutung von Systemintegration für die Wärmewende. Einzeltechnologien entfalten ihr volles Potenzial erst im Zusammenspiel. In Wittenberge wird die Flusswärme nicht als alleinige Lösung verstanden, sondern als Baustein in einem Gesamtsystem, das Versorgungssicherheit gewährleistet und gleichzeitig den CO₂-Ausstoß reduziert. Diese integrierte Betrachtung ist entscheidend, um die Transformation der Wärmeversorgung wirtschaftlich und technisch tragfähig zu gestalten.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die enge Abstimmung mit Behörden und Umweltakteuren. Die Nutzung von Flusswasser als Wärmequelle stellt besondere Anforderungen an den Gewässerschutz und erfordert umfassende Genehmigungsverfahren. In Wittenberge wurde dieser Prozess frühzeitig und partnerschaftlich angegangen, sodass ökologische Belange berücksichtigt und gleichzeitig Planungssicherheit geschaffen werden konnten. Auch dies ist ein wichtiger Lernpunkt für andere Stadtwerke, die ähnliche Projekte planen.

Die Übertragbarkeit des Ansatzes ist hoch. Viele Kommunen verfügen über bislang ungenutzte Umweltwärmequellen, seien es Flüsse, Seen oder Abwasserströme. Das Beispiel Wittenberge zeigt, wie solche Potenziale systematisch erschlossen werden können. Entscheidend ist dabei nicht nur die Technologie selbst, sondern das strategische Vorgehen: die Orientierung an lokalen Gegebenheiten, die schrittweise Skalierung und die Integration in eine übergeordnete Wärmeplanung.

Insgesamt steht das Projekt der Stadtwerke Wittenberge exemplarisch für eine pragmatische und zugleich zukunftsorientierte Umsetzung der Wärmewende. Genau darin liegt seine Stärke und seine Relevanz für die kommunale Energiewirtschaft.

Suche