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Investitionen:

Baustelle Energiezukunft 

Die Investitionen der Energiewirtschaft erreichen Rekordhöhen. Fünf Projekte – von Floating PV bis zum Ladepark

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© Robert Albrecht/BDEW

Kaum eine Industriebranche in Deutschland investiert so viel Geld wie die Energiewirtschaft – im Jahr 2021 die Rekordsumme von 20,5 Milliarden Euro. Dabei fließt der größte Teil dieser Summe in den Ausbau der Netze: Fast 10 Milliarden Euro haben Unternehmen der Stromwirtschaft 2021 allein für „Fortleitungs- und Verteilungsanlagen“ aufgewendet, weitere 4,3 Milliarden Euro für Erzeugungsanlagen. Dazu kommen Ausgaben der Gaswirtschaft von rund 3 Milliarden Euro – vor allem fürs Rohrnetz – und 2 Milliarden Euro, die 2021 in die Fernwärme- und Kälteversorgung investiert wurden. Wie die Infografik zeigt: Die Zukunfts- und Innovationsprojekte der Branche setzen an den verschiedenen Schlüsselstellen des Energiesystems an, sind mal kleinere, mal größere Rädchen im komplexen Getriebe der modernen Versorgungslandschaft . Ein Blick auf fünf Investitionsbeispiele von Nord bis Süd: von der Erzeugung bis hin zur Ladesäule, von der Projektskizze bis zur Umsetzung.

Brauweiler bei Köln: Europas größte Netzleitwarte 
„Das Betriebssystem für die Energiewende“: Als nichts weniger als das bezeichnet CEO Dr. Hans-Jürgen Brick die neue Amprion-Hauptschaltleitung  in Brauweiler. Auf der zentralen Großbildanzeige von 108 Quadratmetern – die drittgrößte der Welt – haben die Mitarbeitenden die Übertragungsnetze von Nordfrankreich bis Tschechien und von Dänemark bis Norditalien im Blick. In Sekundenschnelle können sie so den Zustand des Systems erfassen und Lastflüsse und Leistungsbilanzen bewerten. Zwei hochmoderne Rechenzentren zählen ebenfalls zu der Anlage, selbstlernende Algorithmen unterstützen dabei, die Erzeugung von Wind- und Solarenergie möglichst präzise vorherzusagen. Innerhalb Europas ist die Netzleitwarte in Brauweiler als „Drehscheibe des Stromtransports“ die größte ihrer Art. Schließlich ist Amprion dafür zuständig, dass der Strom für mehr als 500 Millionen Menschen sicher fließt. Rund 100 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Hauptschaltleitung investiert.

Kupferzell, Hohenlohekreis: Batteriespeicher für die Energiewende
Die Planungen werden konkreter, der Auftrag für den Bau ist vergeben: Am Netzknotenpunkt Kupferzell im Nordosten Baden-Württembergs errichtet TransnetBW einen Batteriespeicher für die Energiewende, den sogenannten Netzbooster  – mit 250 Megawatt das weltweit größte Projekt dieser Art. Knapp viereinhalb Fußballfelder groß wird die Anlage sein, wenn sie 2025 in den Probebetrieb startet. Die in Containern untergebrachten Lithium-Ionen-Batterien sollen künftig Engpässe im Übertragungsnetz ausgleichen. Fällt etwa eine der Leitungen aus, die Windstrom in den Süden transportieren, kann über den Batteriespeicher innerhalb von Millisekunden Strom eingespeist werden. So sinkt die Zahl der Redispatch-Eingriffe. Zudem können die vorhandenen Leitungen künftig effizienter genutzt werden. „Der Netzbooster wird entscheidend dabei helfen, mehr Strom aus Erneuerbarer Energie zu transportieren“, so TransnetBW. Das Investitionsvolumen liegt bei 200 Millionen Euro.

Quer durchs Land: Der „Wasserstoffschnellweg“ H2ercules
Von Nord nach Süd soll „das Herzstück für die Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland im XXL-Format“ entstehen – zumindest haben sich RWE und OGE das mit der H2ercules-Initiative vorgenommen. Konkret will RWE bis 2030 in Küstennähe ein Gigawatt zusätzliche Elektrolysekapazitäten errichten. Der grüne Wasserstoff soll dann „vom Norden dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird, etwa zu Stahlerzeugern, Chemieunternehmen und Raffinerien im Ruhrgebiet und in Süddeutschland“, sagt CEO Markus Krebber. „Das Konzept ist als umsetzbarer Vorschlag zu verstehen, um die Hercules-Aufgaben Dekarbonisierung und Diversifizierung der Energieversorgung zu lösen“, heißt es bei OGE. Da vor allem bestehende Erdgasleitungen umgestellt werden, sei der Vorschlag günstiger und schneller umzusetzen als ein kompletter Neubau. Allerdings sind bis dahin noch einige Fragen offen und auch die Rahmenbedingungen werden noch mit der Politik erörtert. Voraussichtlich stehen Investitionen von 3,5 Milliarden Euro an.

Hermsdorfer Kreuz, Thüringen: einer von 2.500 neuen Schnellladestandorten 
Im August 2022 meldete EnBW den Baubeginn, noch im Herbst steht am Hermsdorfer Kreuz die Eröffnung eines neuen Schnellladeparks an: Elektroautos können dann an zwölf High Power Chargern, ultraschnellen Ladepunkten, mit bis zu 300 Kilowatt Leistung Ökostrom „tanken“. Dabei ist die Baustelle nur eine von vielen, auf denen EnBW den Ausbau der Schnelladeinfrastruktur vorantreibt: So entstehen auf rund 60 Supermarktparkplätzen bundesweit gerade mehr als 800 neue Schnellladepunkte. Im Oktober 2022 eröffnete am Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald bereits der sechste Schnellladepark des Unternehmens allein in Bayern. Und am Kamener Kreuz hat EnBW Ende 2021 mit 52 High Power Chargern einen der größten Ladeparks Europas errichtet, Solardach, WC und Snackangebot inklusive. Bis 2025 soll das EnBW-Schnellladenetz auf 2.500 Standorte verdichtet werden. Jedes Jahr investiert EnBW dafür mehr als 100 Millionen Euro. Zum Vergleich: Marktführer Aral betreibt hierzulande ca. 2.300 Tankstellen (2021).

Cottbus, Lausitz: Deutschlands größte Floating-PV-Anlage – und die GigawattFactory
GigawattFactory“ nennt die LEAG ihre Pläne im Lausitzer Braunkohlerevier: Insgesamt sollen hier bis 2030 sieben Gigawatt Erneuerbaren-Leistung entstehen, das „größte Zentrum grüner Energie in Deutschland“. Vier Millionen Haushalte könnten so sicher mit Ökostrom versorgt werden. „Die Gigawattfactory macht umweltfreundliche Energie als gesicherte Leistung verfügbar – das ist eine ganz neue Qualität in der Energieversorgung“, heißt es bei der LEAG. Erste Anlagen am Standort sind bereits in Betrieb, andere in Planung. Darunter das Leuchtturmprojekt Floating-PV Cottbuser Ostsee, Deutschlands größte schwimmende Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 21 Megawatt, die künftig inmitten eines gefluteten Tagebaus Strom liefern soll. Für den Aufbau der gesamten Gigawattfactory rechnet das Unternehmen mit Investitionen in Höhe von 10 Milliarden Euro. Außerdem brauche es eine Priorisierung von Erneuerbaren auf Tagebaufolgeflächen.

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