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Die unsichtbare Infrastruktur hinter dem Energievertrag

Anbieterwechsel, dynamische Tarife, Energy Sharing: So macht Marktkommunikation das technisch möglich.

Illustration Vernetztes Haus mit Stromanbindungen

© Robert Albrecht / BDEW

 

Ein paar Mausklicks genügen: Der Wechsel eines Strom- oder Gasanbieters ist heute für Kundinnen und Kunden deutlich weniger aufwändig als die Zulassung eines Autos – und kann bequem online stattfinden: Startdatum festlegen, Vertrag abschließen – und der Rest läuft scheinbar von selbst. Tatsächlich ist dafür aber ein fein abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer Akteure notwendig: orchestriert durch die sogenannte „Marktkommunikation“ (MaKo).

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Was zunächst wie ein Begriff aus der Werbebranche klingt, bezeichnet in Wirklichkeit den elektronischen Datenaustausch zwischen allen Marktteilnehmern des deutschen Energiemarkts. MaKo stellt sicher, dass alle benötigten Informationen schnell, sicher und in einheitlicher Form zwischen den Akteuren übermittelt werden.

Ansprüche von morgen heute gestalten

Anders geht es auch nicht, denn die Anforderungen von privaten Verbrauchern und Unternehmen steigen. So müssen zum Beispiel seit dem 6. Juni 2025 die Energieversorger einen Anbieterwechsel innerhalb von 24 Stunden koordinieren und bestätigen.

Neben solchen Anbieterwechseln oder auch der An- und Abmeldung von Verträgen beim Umzug rücken zunehmend moderne Echtzeitanwendungen in den Vordergrund, was die MaKo zum unverzichtbaren Enabler der Energiewende macht: Immer mehr Menschen nutzen Smart-Meter und dynamische Tarife, möchten sich mithilfe von Apps über ihren aktuellen Energieverbrauch informieren – oder per Energy Sharing lokal erzeugten Strom aus Erneuerbaren Energien gemeinschaftlich nutzen, ohne dass physische Direktleitungen nötig sind. Hierfür kann der Strom dank MaKo über das öffentliche Netz abgerechnet werden.

Klare Rollen, einheitliches Datenformat

Seit der Liberalisierung des Energiemarkts Ende der 1990er Jahre liegen Netzbetrieb und Energieverkauf häufig bei unterschiedlichen Unternehmen. Was jahrzehntelang unternehmensintern abgestimmt werden konnte, muss nun zwischen verschiedenen Marktpartnern organisiert werden. Schritt für Schritt entstanden deshalb standardisierte Prozesse und Datenformate, die heute den Rahmen für die gesamte Kommunikation bilden.

Denn damit das alles reibungslos funktioniert, müssen Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreiber, Lieferanten und Messstellenbetreiber exakt wissen, wer wann für welche Verbrauchsstelle - die sogenannte Marktlokation - zuständig ist, welche Tarifdaten gelten und wie abgerechnet wird. Genau das ist die Aufgabe der MaKo, nämlich der standardisierte Austausch von Daten zwischen allen Beteiligten im Strom- und Gasmarkt. Informationen werden nach klar definierten Abläufen und innerhalb verbindlicher Fristen versandt - in exakt definierten Datenformaten. So, wie man es beispielsweise von einem PDF-Dokument erwartet, das auf einem PC ebenso problemlos lesbar sein muss wie auf einem Mac oder Smartphone – also unabhängig vom Betriebssystem oder der eingesetzten Hardware.

Infografik Magazin Akteure im Energiemarkt

Die Umsetzung ist anspruchsvoll, technisch hat sich dieser Austausch in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt und wird laufend optimiert. Während beispielsweise früher vieles über E-Mail-basierte Systeme lief, kommen heute neuere Übertragungswege wie direkte Schnittstellen oder die sogenannte AS4-Kommunikation zum Einsatz – ein Standard, der von OASIS OPEN, einem globalen Konsortium aus IT-Unternehmen, Regierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen, entwickelt wurde.

Wer macht was? Die wichtigsten Akteure

In der Marktkommunikation der Energiewirtschaft übernehmen verschiedene Akteure klar definierte Rollen: Allein in der Sparte Strom sind  rund 1.155 Messstellenbetreiber in Deutschland für den Einbau, Betrieb und die Wartung von Stromzählern zuständig, sie stellen die Messwerte bereit. Die etwa 890 Netzbetreiber sorgen für die physische Verteilung des Stroms und sind verantwortlich für Netzstabilität und -anschlüsse. Die rund 1.000 Energieversorger wiederum haben die Lieferantenrolle, verkaufen Energie an Endkunden und übernehmen die Abrechnung sowie die Kundenbetreuung. Die sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen stellen sicher, dass Einspeisung und Entnahme innerhalb einer bestimmten Region ausgeglichen sind, und koordinieren Prognosen sowie Fahrpläne am Energiemarkt. So wird Netzstabilität gewährleistet. Die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), die die großen Transportnetze betreiben, sorgen für die überregionale Netzstabilität.

Wer die Spielregeln definiert

Die Regeln des Zusammenspiels sind verbindlich festgelegt. In Deutschland gibt in erster Linie die Bundesnetzagentur den regulatorischen Rahmen vor. Sie definiert Prozesse, Fristen und Standards, die von allen Marktpartnern umgesetzt werden müssen. Zugleich arbeitet die Branche selbst an der konkreten und praxisorientierten Ausgestaltung.

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In der Expertengruppe EDI@Energy des BDEW werden Datenformate und Umsetzungsdetails entwickelt. Alle relevanten Informationen werden auf einer Onlineplattform gebündelt, hier findet auch der Dialog zwischen den beteiligten Akteuren statt. Fragen von allgemeinem Interesse werden veröffentlicht – sodass man voneinander lernen kann.

Keine Energiewende ohne MaKo

Die MaKo ist somit das unsichtbare Rückgrat der Transformation: Erst durch sie werden innovative Modelle wie dynamische Tarife, Energy Sharing oder flexible Verbrauchssteuerung im großen Maßstab möglich.

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