Drei Fragen an… Martin Daldrup

 Neustart nach Schiffbruch: Wie gewinnt man Vertrauen in Erfahrung und Technik zurück?

Portrait Martin Daldrup Einhandsegler und Abenteurer

© Robert Albrecht / BDEW

 

Vertrauen auf See entsteht für den Einhandsegler Martin Daldrup vor allem durch gründliche Vorbereitung, Erfahrung und verlässliche Technik. Vor einer Ozeanpassage prüft er unter anderem Bootsausstattung, Energie- und Wasserversorgung, Proviant, Kraftstoffreserven, Kommunikationsmittel und Wetternavigation. Rund zwei Drittel seines Vertrauens führt Daldrup auf diese Vorbereitung zurück.

Nach dem Untergang seiner Yacht „Jambo“ im Oktober 2023, bei dem er etwa 20 Stunden allein in einer Rettungsinsel verbrachte, kehrte er mit einem robusteren Boot schrittweise zum Segeln zurück. Die Erfahrung habe seinen Respekt vor dem Ozean verstärkt, seine Freude am Segeln aber nicht genommen. Wind betrachtet Daldrup trotz möglicher Risiken vor allem als Antrieb und positiven Begleiter seiner Reisen.

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Martin Daldrup ist ein deutscher Einhandsegler, Ingenieur und Buchautor, der vor allem durch seine Solo-Langfahrten über den Atlantik und seine ausführliche Dokumentation auf YouTube unter dem Namen „M Jambo“ bekannt wurde. Daldrup, Jahrgang 1964, entdeckte erst mit Ende 40 seine Leidenschaft fürs Segeln, brachte sich vieles selbst bei und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zum erfahrenen Hochseesegler.

Besondere Bekanntheit erlangte er im Oktober 2023: Während einer Solo-Passage von New York nach Kapstadt erlitt seine Yacht „Jambo“ im Südatlantik Schiffbruch. Daldrup musste das sinkende Schiff verlassen und verbrachte rund 20 Stunden allein in einer Rettungsinsel, bevor ihn der Frachter Alanis rettete. Sein besonnenes Handeln und seine gründliche Vorbereitung trugen entscheidend dazu bei, dass er überlebte. Inzwischen ist er wieder unterwegs – wir sprachen Ende Juli mit ihm, kurz bevor er von den Seychellen nach Australien aufbrach.

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Herr Daldrup, wie viel Vertrauen auf See entsteht bereits an Land?
Eine erfolgreiche Ozeanpassage beginnt lange vor dem Ablegen. Die Vorbereitung ist das Fundament – angefangen bei der technischen Ausstattung des Boots über das Energie- und Wassermanagement bis hin zur eigenen Erfahrung. Vor meiner ersten Atlantiküberquerung habe ich zahlreiche Seminare besucht und mich intensiv vorbereitet.

Kurz vor dem Start kommen dann praktische Dinge hinzu: Proviant für mehrere Wochen, ein Essensplan, Kraftstoffreserven, Wasser, Generatoren und funktionierende Kommunikationsmittel wie Satellitentelefon und Wetterdienste. Gerade die Wetternavigation ist entscheidend, denn sie ermöglicht es, Risiken frühzeitig zu erkennen und ihnen auszuweichen. Wenn ich es in Zahlen fassen müsste, stammen sicher zwei Drittel meines Vertrauens aus dieser Vorbereitung. Wer hier nachlässig ist, macht sich das Leben auf See unnötig schwer.

Zitat Martin Daldrup "Erfolgreiche Ozeanpassagebeginnt lange vor dem Ablegen."

Im Oktober 2023 haben Sie  den Untergang Ihrer Yacht überlebt und rund 20 Stunden allein in einer Rettungsinsel ausharren müssen. Wie findet man nach so einem Erlebnis zurück aufs Meer?
Respekt vor dem Ozean hatte ich immer – und nach diesem Erlebnis noch mehr. Eine Rettungsinsel gehört genauso zur Vorbereitung wie der gedankliche Umgang mit der Frage: Was passiert im Ernstfall? Nach meiner Rettung hatte ich auf dem Frachtschiff zwei Wochen Zeit, über alles nachzudenken. Meine Lebenspartnerin und ich haben uns in der Zeit tatsächlich gefragt, ob wir unser Leben verändern sollten. Kurzzeitig stand sogar der Gedanke an ein Wohnmobil im Raum.

Aber das Meer lässt einen nicht wirklich los. Ein Seglerfreund von mir hatte nach einer ähnlichen Rettung genau diesen Weg eingeschlagen – und zwei Jahre später das Wohnmobil wieder verkauft, um sich erneut ein Segelboot zu kaufen. So ähnlich war es auch bei uns, nur dass wir die Sache mit dem Wohnmobil lieber gleich übersprungen haben. Wir entschieden uns für ein robusteres Boot und tasteten uns zunächst küstennah wieder heran. Nach rund 2.000 Seemeilen war mir klar: Die Freude am Segeln ist einfach größer als die Angst. Solche Erfahrungen nehmen einem nicht die Leidenschaft, sie lehren aber Demut.

Zitat Martin Daldrup "Segler kennt nur drei Arten von Wind - zu viel, zu wenig oder aus der falschen Richtung."

Der Wind ist für Sie Antrieb und Risiko zugleich. Welches Verhältnis haben Sie zum Wind?
Es gibt diesen alten Seglerwitz: Ein Segler kennt nur drei Arten von Wind – zu viel, zu wenig oder aus der falschen Richtung. Für mich persönlich ist der Wind vor allem ein Freund. Er ist im Wortsinn mein Antriebsmotor, um die Welt zu bereisen. Eigentlich gibt es keinen „falschen“ Wind.

Zitat Martin Daldrup "Für mich ist der Wind ein Freund."

Am schlimmsten ist der Wind, der gar nicht da ist. Wenn man tagelang feststeckt, fehlt dieser Freund schmerzlich. Ist er hingegen zu stark, muss man damit umzugehen wissen. Ich habe schon einige Stürme erlebt, aber auf dem offenen Ozean lässt sich ein Sturm meist gut überstehen – an der Küste ist das deutlich unangenehmer. Unterm Strich habe ich ein durch und durch positives Verhältnis zum Wind.

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