Anlässlich seines Fachkongresses „Treffpunkt Netze 2026“ fordert der BDEW für den Netzanschluss und Netzausbau klare Regeln, Investitionsanreize, und dass alle Akteure - Gesetzgeber, Behörden, Netzbetreiber und Anlagenbetreiber - Hand in Hand arbeiten und bürokratische Hürden abbauen. Dazu erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung:
„Die Anforderungen an unsere Netze verändern sich in einem enormen Tempo: Netzanschlusspaket, EEG, Gaspaket und neue Regulierungen – viele Weichen werden gleichzeitig neu gestellt. Das ist notwendig. Aber die einzelnen Vorhaben müssen zusammenpassen und in der Praxis funktionieren. Parallel zu den sich ändernden regulatorischen Vorgaben bauen die Netzbetreiber massiv aus und integrieren pro Jahr über eine Million neuer Anlagen und Verbraucher, während sie rund um die Uhr einen sicheren Systembetrieb gewährleisten.
Allein 2025 wurden rund 1,5 Millionen Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Ladesäulen und Batteriespeicher neu in Betrieb genommen. Das entspricht einer zusätzlichen Anschlussleistung von rund 28 Gigawatt. Neue Bedarfe aus der Industrie, vor allem durch Rechenzentren kommen hinzu. Die Netzbetreiber stehen deshalb vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen vorhandene Anschlusskapazitäten so effizient und fair wie möglich nutzen und gleichzeitig mit Hochdruck neue schaffen.
Das Netzpaket setzt hier an einem zentralen Punkt an: Angesichts der stark steigenden Zahl konkurrierender Anschlussbegehren stößt das Windhund-Prinzip an seine Grenzen. Netzbetreiber brauchen faire, transparente und rechtssichere Verfahren zur Zuteilung knapper Netzkapazitäten. Dabei darf nicht aus dem Blick geraten, dass bessere Zuteilungsverfahren den Netzausbau nicht ersetzen können.
Die Bundesnetzagentur beziffert den Investitionsbedarf der größeren Verteilnetzbetreiber für den Netzausbau bis 2045 auf rund 207 Milliarden Euro – das ist eine historische Größenordnung. Hinzu kommen rund 30 Milliarden Euro für Ersatzinvestitionen und Rückbau. Schon 2025 lagen die Investitionen bei rund elf Milliarden Euro im Verteilnetz und rund 22,2 Milliarden Euro im Übertragungsnetz. Für 2027 schätzt der BDEW die Investitionen im Verteil- und Übertagungsnetzbereich zusammen auf rund 40 Milliarden Euro – mehr als das Vierfache gegenüber 2021 mit 9,7 Milliarden Euro.
Fortschritte zeigen sich bei der Digitalisierung der Netze: Nach den jüngst veröffentlichten Zahlen der Bundesnetzagentur waren zum Stichtag 30. Juni 2026 bundesweit rund 3,17 Millionen intelligente Messsysteme installiert. Bei den verpflichtenden Einbaufällen für Verbraucher liegt die bundesweite Ausstattungsquote inzwischen bei 26,1 Prozent und damit deutlich über der gesetzlichen 20-Prozent-Marke zum Jahresende 2025. Der Smart-Meter-Rollout kommt jetzt voran. Das ist das Ergebnis erheblicher Anstrengungen bei Messstellen- und Netzbetreibern. Jetzt müssen wir darauf achten, diesen Schwung nicht durch neue Komplexität wieder auszubremsen. Entscheidend ist, den Rollout weiter zu vereinfachen – etwa bei komplizierten Quotenregelungen oder im Eichrecht.
Um das Tempo beim Netzausbau noch weiter steigern zu können, appellieren wir an die Politik, Planungs- und Genehmigungsverfahren durch Bürokratieabbau zu beschleunigen, insbesondere in der Hochspannung. Das angekündigte Verteilnetzbeschleunigungsgesetz muss auch noch 2026 kommen. Zugleich braucht es eine Anreizregulierung, die notwendige Investitionen finanzierbar macht und für die Gewinnung privaten Kapitals attraktiv ist.
Auch die Gasnetze brauchen verlässliche Investitionsbedingungen. Wir werden sie noch über Jahrzehnte für eine sichere Versorgung brauchen und müssen sie zugleich auf neue Versorgungsstrukturen vorbereiten. Das setzt einen verlässlichen gesetzlichen und regulatorischen Rahmen für Betrieb, Umbau und perspektivische Stilllegung voraus.“