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BDEW veröffentlicht Strom- und Gaspreisanalyse Januar 2022:

Kerstin Andreae: „Haushalte müssen entlastet werden“

Aufgrund der extrem in die Höhe gegangenen Großhandelspreise sind die Verbraucherpreise für Strom und Gas in den vergangenen Monaten gestiegen. Der Durchschnitt der aktuell im Markt verfügbaren Stromtarife für Haushaltskunden liegt bei durchschnittlich 36,19 ct/kWh und damit 12,5 Prozent höher als im Jahresmittel 2021. Kleine und mittlere Industriekunden müssen im Durchschnitt 26,64 ct/pro kWh bezahlen (Jahresmittel 2021: 21,38 ct/kWh).

Haushalte in Einfamilienhäusern (Jahresverbrauch von 20.000 kWh), die aktuell einen Gastarif abschließen, zahlen durchschnittlich 12,21 ct/kWh (Jahresmittel 2021: 7,06 ct/kWh). Für Haushalte in Mehrfamilienhäusern (Jahresverbrauch von 80.000 kWh bzw. 13.333 kWh/pro Wohnung) beträgt dieser durchschnittliche Gaspreis derzeit 11,84 ct/kWh (Jahresmittel 2021: 6,47 ct/kWh).

Die Beschaffungskosten, die die Energieversorger für Strom und Gas zahlen müssen, sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. So stiegen die Preise auf dem Terminmarkt für Strom, auf dem die Versorger langfristig Strom einkaufen, zwischen Januar und Dezember 2021 um mehr als 300 Prozent. Am Terminmarkt für Gas haben sich die Preise in diesem Zeitraum sogar mehr als verfünffacht.

„Diese extremen Preisanstiege an den Strombörsen müssen die Energieversorger in ihrer Preiskalkulation berücksichtigen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Dank langfristiger Beschaffungsstrategien, bei denen sie die benötigte Energie in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten einkaufen, können die meisten Versorger einen Teil des Preisanstiegs aber abfedern, sodass die steigenden Börsenpreise nicht in vollem Umfang auf die Verbraucherpreise durchschlagen.“

Für die deutlichen Preisanstiege im Großhandel gibt es verschiedene Gründe. Weltweit steigt aufgrund der konjunkturellen Erholung die Nachfrage nach Vorprodukten und Rohstoffen. Während es vor Corona ein zeitlich versetztes Wirtschaftswachstum in den unterschiedlichen Weltregionen gab, wurde dieses durch die konjunkturelle Erholung durch Corona synchronisiert. Dies führt in allen Weltregionen gleichzeitig zu einer erhöhten Nachfrage nach Rohstoffen und lässt die Preise international steigen.

Hinzu kamen weitere preistreibende Faktoren, wie zum Beispiel gestiegene Preise für CO2-Zertifikate sowie eine ungünstige Witterung. Aufgrund eines ungewöhnlich kalten ersten Halbjahres gab es im Jahr 2021 eine erhöhte Nachfrage nach Gas. Gleichzeitig war die Erneuerbaren-Einspeisung durch wenig Wind und Sonne insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2021 gering. Dadurch musste ein größerer Teil der Stromnachfrage durch konventionelle Energieträger gedeckt werden. Zudem beeinflussen die hohen Preise im Gas-Großhandel in den letzten Monaten auch den Strompreis, da sich die Stromerzeugung in Gaskraftwerken deutlich verteuert. Das erhöht die Kosten für die Produktion von konventionellem Strom. Diese Effekte können derzeit durch die sinkenden Kosten der Erneuerbaren Energien nicht kompensiert werden.

„Energieverbraucherinnen und -verbraucher müssen angesichts der steigenden Strom- und Gaspreise dringend entlastet werden“, sagt Andreae. „Insbesondere die Steuer- und Abgabenlast auf Energie muss reduziert werden. Die von der Bundesregierung angekündigte Abschaffung der EEG-Umlage ist hier ein erster wichtiger Schritt und sollte möglichst schnell angegangen werden. Einkommensschwache Haushalte sollten in der aktuellen Situation zudem kurzfristig über sozialpolitische Instrumente unterstützt werden. Der angekündigte Heizkostenzuschuss sollte daher nun zeitnah von der Bundesregierung auf den Weg gebracht werden.“


Die BDEW-Strompreisanalyse finden Sie hier.

Die BDEW-Gaspreisanalyse finden Sie hier.

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