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BDEW und Weltenergierat im Dialog

Abhängigkeiten in der neuen Weltordnung souverän gestalten.

Teilnehmer an einer Dialogveranstaltung im BDEW.

© BDEW

 

Wie Deutschland und Europa in einer zunehmend fragmentierten Welt Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sichern können, stand im Mittelpunkt des gemeinsamen Dialogformats von BDEW und Weltenergierat.

Am 28. September luden BDEW und Weltenergierat Deutschland zum Frühstück ein. Anlass war die Vorstellung des Schwerpunktkapitels „Geopolitische Fragmentierung – Drei Szenarien für Energiewirtschaft und Klimaschutz". Es ist Teil der Jahrespublikation „Energie für Deutschland 2026" des Weltenergierats.

Nach der Begrüßung durch BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae und Dr. Carsten Rolle (Weltenergierat Deutschland) stellte Dr. Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) die zentralen Ergebnisse vor. Seine Diagnose: Die Welt erlebt keine De-Globalisierung. Die Globalisierung wird nicht zurückgedreht. Aber: Handel und Investitionen ordnen sich vielmehr geopolitisch neu. Handel wird stärker zu einem politischen Instrument. Energie ist damit nicht mehr nur ein Wirtschaftsgut, sondern auch ein Instrument von Macht und Sicherheitspolitik.

Besonders deutlich wird das in der sogenannten „strategischen Ellipse". Dieser Raum reicht von Nord- und Ostafrika über den Nahen und Mittleren Osten und Eurasien bis nach Süd- und Ostasien. Dort treffen Energieflüsse, Rohstoffketten und geopolitische Konflikte aufeinander. Die EU ist wirtschaftlich eng mit dieser Region verbunden, spielt dort geopolitisch aber eine immer geringere Rolle.

Pepe beschrieb drei Szenarien für die künftige Energieordnung:

  • eine Welt anhaltender Konkurrenz mit begrenzter Eskalation,
  • eine Welt verfestigter Machtblöcke,
  • eine Welt, in der gemeinsame Regeln und Kooperation die Rivalität begrenzen.

Diese Szenarien sind keine Prognosen, sondern unterschiedliche Ausprägungen derselben Entwicklung. In allen Fällen gilt: Entscheidend wird weniger der Zugang zu einzelnen Ressourcen als die Kontrolle ganzer Wertschöpfungsketten. Die schlechte Nachricht: in keinem Szenario wird man zu einem Freihandel zurückkehren, wie man ihn mal kannte und von welchem insbesondere Länder wie Deutschland profitierten. Die gute Nachricht ist: Es gibt Möglichkeiten, um Deutschlands und Europas Souveränität und Manövrierfähigkeit auch in diesen Zukünften zu stärken.

Pepe formuliert vier Handlungsfelder für Deutschland und Europa

  • Diversifizierung verstetigen: Bei Energie, Rohstoffen, Technologien und Transportwegen braucht es dauerhaft mehrere Bezugsquellen.
  • Energie und Industrie zusammendenken: Neben der Frage nach günstiger Energie zählt auch, welche industriellen Fähigkeiten Europa erhalten und aufbauen will.
  • Kooperationsräume aktiv gestalten: Insbesondere Partnerschaften innerhalb der strategischen Ellipse, etwa mit Nordafrika, den Golfstaaten, Indien, Zentralasien, Japan und Südostasien, werden strategisch wichtiger.
  • Europa als Ordnungsakteur stärken: Die EU muss Marktmacht, Investitionen, Energieaußenpolitik und Infrastruktur besser bündeln. Zugleich muss sie die Zusammenarbeit bei Wasserstoff, Rohstoffen, Netzen und Standards sichern.

Die Veranstaltung unterstrich: Die Zeiten, in denen man sich auf die Einhaltung von gemeinsamen Regeln verlassen kann, sind erst einmal vorbei. Die Antwort darauf ist aber nicht Autarkie. Vielmehr müssen Abhängigkeiten so gestaltet werden, dass sie die eigene Souveränität nicht gefährden. Nur so lassen sich Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gemeinsam erreichen.

Der BDEW setzt sich dafür ein, dass Deutschland und Europa ihre Energieversorgung krisenfest aufstellen: dazu zählen vor allem der Ausbau der Erneuerbaren Energien, eine Diversifizierung der Bezugsquellen, verlässliche Energiepartnerschaften und eine widerstandsfähige Infrastruktur.

Die Publikation Energie für Deutschland finden Sie hier. Weitere wichtige Impulse zur strategischen Resilienz der Energieversorgung wurden im Rahmen der BDEW Studie „Resilienz als Systemanforderung der Energieversorgung im internationalen Vergleich“ erarbeitet. Diese finden Sie hier.

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