Deutschland belegt in punkto Versorgungssicherheit einen Spitzenplatz: Gerade einmal 12,2 Minuten pro Endverbraucher im Jahr dauert der durchschnittliche Stromausfall. Damit zählt das Stromnetz in Deutschland zu den stabilsten der Welt.
Für den Erfolg der Elektromobilität ist es wichtig, dass die notwendige Infrastruktur weiterentwickelt wird. Dafür sorgt die Energiewirtschaft, indem sie das Stromnetz modernisiert, ausbaut und digitalisiert sowie Ladesäulen und -parks in das Energiesystem integriert.
Diese fünf Punkte sind dabei entscheidend:
- Ausbau der Netzinfrastruktur vorantreiben
- Netzanschlussprozess weiter optimieren
- E-Lkw: Netzbetreiber bei Planung und Aufbau der Ladesäulen frühzeitig einbinden
- Flexible Netzanschlusszusagen (FCA)
- Dynamische Steuerung von Ladevorgängen ermöglichen
Im Einzelnen:
1. Ausbau der Netzinfrastruktur vorantreiben
Im Zuge der Energiewende ist der Ausbau, die Modernisierung und die Digitalisierung des Verteilnetzes notwendig. Eine wachsende Zahl von dezentralen Energieerzeugern (etwa Windkraft- und Photovoltaikanlagen) und Energieverbrauchern (etwa Ladesäulen, Wärmepumpen, Elektrolyseure und Rechenzentren) wollen an das Netz angeschlossen werden.
Das Verteilnetz transportiert den Strom innerhalb einer Region zum Endverbraucher. Es ist deshalb ein richtiger Schritt, dass die Politik die Beschleunigung des Netzausbaus ebenso plant, wie die Neuordnung der Netzanschlussverfahren die Erzeugung, Verbrauch und Netzanschluss besser aufeinander abstimmen.
Energieverbraucher, wie etwa Ladeparkbetreiber, erhalten damit mehr Transparenz über die Netzverfügbarkeiten und können geeignete Standorte besser identifizieren.
2. Netzanschlussprozess weiter optimieren
Ein wesentlicher Faktor beim Aufbau von Ladesäulen und -parks ist deren Netzanschluss. Der größte Teil der privaten Ladeeinrichtungen und der öffentlich zugänglichen Normalladesäulen (Wechselstrom bis 22kW) wird in der Niederspannung angeschlossen. Hierbei handelt es sich sowohl für die Ladesäulen- als auch für die Netzbetreiber um ein Massengeschäft.
Anders sieht es bei Schnellladern und Ladehubs etwa an Autobahnen aus, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese werden häufig in der Mittelspannung - und teilweise sogar in der Hochspannung angeschlossen. Aufgrund der komplexeren Anforderungen und individuellen Prüfbedarfe wird hier von einem Projektgeschäft gesprochen.
Das von der Politik auf den Weg gebrachte Netzanschlusspaket stärkt die Transparenz für Ladesäulenbetreiber: Ab 2028 erhalten sie mit der unverbindlichen Netzanschlussauskunft eine Ersteinschätzung, ob der gewünschte Netzanschluss am geplanten Standort praktikabel ist. Gleichzeitig werden Netzbetreiber dann eine Karte über die Netzverfügbarkeiten von Höchstspannung bis zur Umspannebene der Mittelspannung auf ihren Internetseiten bereitstellen.
Insgesamt soll der Netzanschlussprozess als Ganzes vereinheitlicht werden, indem dieser ab 2028 gebündelt über ein digitales Netzanschlussportal läuft.
3. Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs: Netzbetreiber frühzeitig einbinden
Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs nimmt Fahrt auf. Ein Grund sind sicher die CO2-Flottengrenzwerte auf europäischer Ebene sowie die Zielsetzung der Verordnung zum Aufbau von Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR), die das Umrüsten auf E-Lkw befördern. Bei der Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs spielen angesichts hoher Dieselpreise auch Wirtschaftlichkeitsaspekte eine immer größere Rolle.
Die Ladestationen für E-Lkw müssen ebenfalls in das Stromnetz integriert werden und können je nach Leistungsbedarf einen Anschluss bis an die Hochspannungsebene erforderlich machen.
Netzbetreiber wie auch Ladesäulenbetreiber profitieren davon, wenn möglichst frühzeitig Informationen über Standorte und Leistung ausgetauscht werden. Liegt eine belastbare Bedarfsgrundlage vor, können Netzbetreiber frühzeitig mit dem Netzausbau beginnen.
Um die Bereitstellung zu Informationen über betriebssensible Daten wie Standort und Leistung bedenkenlos zu ermöglichen, sollten Netzbetreiber den Anschlussnehmern standardmäßig eine Vertraulichkeitserklärung (NDA) anbieten.
4. Flexible Netzanschlusszusagen
Der Leistungsbedarf für Ladeparks insbesondere für E-Lkws ist häufig sehr hoch. In Gebieten mit begrenzten Netzanschlusskapazitäten kann dies eine lokale Verstärkung des Netzes erfordern. Das verzögert den Netzanschluss.
Hier sind Vereinbarungen über einen flexiblen Netzanschluss („Flexible Connection Agreement, FCA“) vorzuziehen, bei dem der Leistungsbedarf stufenweise zur Verfügung gestellt wird. Die Anschlussleistung wächst sozusagen mit der Auslastung des Ladeparks mit. Entscheidend ist, dass die flexiblen Netzanschlüsse mit einer verlässlichen Ausbauzusage verbunden sind.
5. Dynamische Steuerung von Ladevorgängen ermöglichen
Um Netze zukunftsorientiert planen und betreiben zu können, benötigen die Netzbetreiber möglichst vollständige Informationen über die zu erwartenden Lasten in ihren Netzen. Der überwiegende Anteil der Ladevorgänge von Elektro-Pkw findet heute aber privat statt, also zu Hause oder am Arbeitsplatz. Hier ist die Informationslage weiterhin verbesserungsbedürftig.
Nicht die Anzahl der E-Autos kann kritisch für das Stromnetz werden, sondern die Menge gleichzeitiger Ladevorgänge in Kombination mit der aktuellen Netzsituation. Netzbetreibern muss es daher ermöglicht werden, Ladevorgänge zu steuern und so Lasten dynamisch an die Netzkapazität anzupassen. Damit könnten bestehende Stromnetze höher ausgelastet werden.