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LNG in Deutschland: Bedeutung für Gasversorgung und Versorgungssicherheit

Wie funktioniert LNG, woher kommt es und welche Rolle spielen LNG-Terminals - heute und in Zukunft? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Die Höegh Esperanza, eine schwimmende Speicher- und Regasifizierungsanlage für LNG (Flüssigerdgas), die als LNG-Terminal in Wilhelmshaven dient.

© Thorsten Schier / Shutterstock

 

Liquefied Natural Gas (LNG) ist verflüssigtes Erdgas, das Deutschlands Gasversorgung durch zusätzliche Bezugsquellen und Transportwege stärkt. Durch Abkühlung auf etwa minus 160 Grad Celsius schrumpft sein Volumen auf ein Sechshundertstel. Dadurch lässt sich Erdgas unabhängig von Pipelines per Schiff transportieren. Importterminals erwärmen das LNG und speisen das wieder gasförmige Erdgas in das Gasnetz ein. LNG hat dazu beigetragen, frühere russische Erdgaslieferungen zu ersetzen und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern zu reduzieren. Versorgungssicherheit erfordert daneben unterschiedliche Lieferbeziehungen, Gasspeicher und leistungsfähige Netze. Der BDEW fordert verlässliche Rahmenbedingungen für eine marktliche Gasbeschaffung. LNG-Terminals können perspektivisch auch Wasserstoff und dessen Derivate aufnehmen, sofern sie dafür technisch ausgelegt oder umgerüstet werden.

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Liquefied Natural Gas (LNG), auf Deutsch verflüssigtes Erdgas, ist ein wichtiger Baustein für die sichere Gasversorgung Deutschlands. LNG ermöglicht den Import von Erdgas unabhängig von Pipelines und trägt dazu bei, die Gasversorgung breiter aufzustellen. 

Was ist LNG und wie wird es hergestellt? 

LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, auf Deutsch verflüssigtes Erdgas. Nach der Förderung des Erdgases wird es zu einer Verflüssigungsanlage im Hafen gepumpt. Dort wird das Erdgas von Schwefel, Stickstoff und Kohlendioxid gereinigt und auf etwa –160 Grad Celsius heruntergekühlt. Dadurch verringert sich das Volumen auf ein Sechshundertstel. Für die Verflüssigung werden zwischen 10 und 25 Prozent der im Erdgas enthaltenen Energie aufgewendet.

Vor allem in Bezug auf Transport und Lagerung besitzt LNG Vorteile. Das verflüssigte Erdgas ist nicht mehr leitungsgebunden und kann auf dem Seeweg per Transportschiff über große Entfernungen zwischen Kontinenten transportiert werden.

Am Zielort wird das LNG in Importterminals wieder erwärmt und in den gasförmigen Zustand zurückgeführt. Anschließend kann es in das Erdgasnetz eingespeist werden und in allen Erdgasanwendungen eingesetzt werden. 

Welche Rolle spielt LNG für die Gasversorgung in Deutschland?

LNG ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Gasversorgung geworden. Die Möglichkeit, verflüssigtes Erdgas zu importieren, hat entscheidend dazu beigetragen, die früheren Erdgaslieferungen aus Russland durch andere Bezugsquellen zu ersetzen.

Der zentrale Vorteil: Verflüssigtes Erdgas ermöglicht Importe aus Ländern, zu denen keine direkte Pipelineverbindung besteht. Deutschland kann dadurch auf ein größeres Angebot auf dem internationalen Gasmarkt zugreifen und seine Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern reduzieren.

Die neuen LNG-Terminals in Deutschland haben die Importmöglichkeiten erweitert und stärken damit die Versorgungssicherheit. 

Wie trägt LNG zur Versorgungssicherheit bei?

Verflüssigtes Erdgas stärkt die Versorgungssicherheit, indem es die Bezugsquellen und Transportwege für Erdgas erweitert. Eine möglichst breit aufgestellte Gasversorgung ist entscheidend, um Versorgungsrisiken durch technische Störungen, wirtschaftliche Entwicklungen oder geopolitische Konflikte zu begrenzen.

Die Energiekrise von 2022 hat gezeigt, wie problematisch eine starke Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern sein kann. Deutschland hat deshalb innerhalb kurzer Zeit neue Lieferbeziehungen aufgebaut, bestehende Vereinbarungen erweitert sowie LNG-Terminals und die erforderlichen Anbindungsleitungen errichtet.

Für eine sichere Gasversorgung kommt es jedoch nicht allein auf verflüssigtes Erdgas an. Entscheidend ist ein ausgewogener Mix verschiedener Beschaffungs- und Absicherungsmöglichkeiten. Dazu gehören unter anderem:  

  • Erdgasimporte über Pipelines und LNG-Terminals 
  • Lieferbeziehungen zu unterschiedlichen Ländern und Unternehmen 
  • Kurzfristige und langfristige Lieferverträge 
  • Ausreichende Gasspeicherkapazitäten 
  • Leistungsfähige Gasnetze und Importinfrastrukturen  

Auch für Gashandelsunternehmen ist LNG ein wichtiges Instrument, um ihre Beschaffung breiter aufzustellen. Fällt eine Lieferquelle oder ein Transportweg aus, können Unternehmen versuchen, benötigte Gasmengen über andere Bezugswege oder den Markt zu beschaffen. Mit seiner logistischen Flexibilität sorgt LNG auch für eine Stärkung der weltweiten Versorgungssicherheit. 

Geopolitische Konflikte können die internationalen Energiemärkte allerdings weiterhin erheblich beeinflussen. So können Einschränkungen wichtiger Transportwege wie der Straße von Hormus das weltweite Angebot an Erdgas und Erdöl verknappen und Preissteigerungen auslösen. Eine diversifizierte Gasversorgung hilft, solche Risiken abzufedern. 

Woher kommt das LNG für Deutschland? 

Das verflüssigte Erdgas, das über LNG-Terminals in Deutschland importiert wird, stammt überwiegend aus den USA. Insgesamt wurden im Jahr 2025 LNG-Mengen im Umfang von 106 Mrd. Kilowattstunden (kWh) direkt angelandet und in das Fernleitungsnetz eingespeist.

Der größte Erdgaslieferant Deutschlands bleibt jedoch Norwegen: Knapp die Hälfte des im Jahr 2025 in Deutschland verbrauchten Erdgases stammte aus dem nordischen Land. Norwegen zeichnet sich durch eine hohe Zuverlässigkeit seiner Lieferungen aus und wird voraussichtlich auch künftig eine zentrale Rolle für die deutsche Gasversorgung spielen.

Grafik: Woher stammt das in Deutschland verbrauchte Erdgas - BDEW-Statistik» Grafik-Download

Wo befinden sich die LNG-Terminals in Deutschland?

Deutschland verfügt über LNG-Importstandorte an der Nord- und Ostseeküste. Zu den Standorten gehören:  

  • Wilhelmshaven I und II 
  • Brunsbüttel 
  • Stade 
  • Mukran auf Rügen  

Die LNG-Terminals in Deutschland ermöglichen es, verflüssigtes Erdgas von Tankschiffen zu übernehmen, wieder in den gasförmigen Zustand umzuwandeln und in das deutsche Gasnetz einzuspeisen.

Mit der Inbetriebnahme weiterer Importkapazitäten am Standort Stade können die LNG-Importmöglichkeiten weiterwachsen. Die europäische Einbindung erhöht zusätzlich die Versorgungssicherheit, da Deutschland auch über LNG-Terminals in anderen Ländern Gas beziehen kann.Grafik: Gaseinspeisung über deutsche LNG-Terminals + Standorte der LNG-Terminals und Herkunftsländer des verflüssigten Erdgases

» Grafik-Download

Was ist ein schwimmendes LNG-Terminal und wie funktioniert eine FSRU? 

Ein schwimmendes LNG-Terminal ist ein Spezialschiff, das verflüssigtes Erdgas aufnehmen, speichern und wieder in gasförmiges Erdgas umwandeln kann. Solche Schiffe werden als FSRU bezeichnet. Die Abkürzung steht für „Floating Storage and Regasification Unit“, auf Deutsch: schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungseinheit.

Eine FSRU übernimmt LNG von Tankschiffen und speichert es in speziellen Tanks. Anschließend wird das verflüssigte Erdgas erwärmt und dadurch wieder gasförmig. Über eine Anbindungsleitung gelangt das Erdgas in das Gasnetz.

Schwimmende LNG-Terminals lassen sich in der Regel schneller bereitstellen als fest an Land errichtete Anlagen. Deshalb spielten FSRUs seit 2022 eine entscheidende Rolle dabei, kurzfristig neue LNG-Importkapazitäten für Deutschland zu schaffen.

Auch langfristig können schwimmende und landbasierte LNG-Terminals einander sinnvoll ergänzen. Während FSRUs vor allem durch ihre vergleichsweise schnelle Verfügbarkeit und Flexibilität überzeugen, bieten stationäre Terminals Perspektiven für eine langfristige Nutzung und Weiterentwicklung der Importinfrastruktur.

Einzelne schwimmende Anlagen könnten perspektivisch auch für neue Energieimportketten genutzt werden, etwa für den Import von Ammoniak. Dafür sind allerdings entsprechende technische Voraussetzungen und Anpassungen erforderlich. 

Was ist der Unterschied zwischen LNG, LPG und CNG? 

LNG, LPG und CNG sind unterschiedliche gasförmige beziehungsweise verflüssigte Energieträger. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Speicherung und Verwendung.

Verflüssigtes Erdgas, das durch Abkühlung auf etwa –160 Grad Celsius statt gasförmig flüssig wird. LNG wird vor allem für den Transport von Erdgas über große Entfernungen eingesetzt.

Flüssiggas, das überwiegend aus Propan und Butan besteht. Es entsteht unter anderem bei der Erdgasaufbereitung und Erdölraffination. LPG wird beispielsweise zum Heizen, als Autogas oder als Rohstoff in der chemischen Industrie verwendet.

Komprimiertes Erdgas, das unter hohem Druck gespeichert wird. Es wird insbesondere als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge eingesetzt. CNG kann auch aus aufbereitetem Biogas bestehen und wird dann als Bio-CNG bezeichnet.

Der wesentliche Unterschied zwischen LNG und LPG liegt in ihrer chemischen Zusammensetzung: LNG besteht überwiegend aus Methan, während LPG hauptsächlich Propan und Butan enthält. CNG wiederum ist Erdgas, das nicht verflüssigt, sondern unter hohem Druck gespeichert wird. 

Welche politischen Rahmenbedingungen braucht Deutschland für sichere LNG-Importe? 

Aus Sicht des BDEW sind verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen entscheidend, damit Deutschland auch künftig ausreichend Erdgas und LNG zu wettbewerbsfähigen Bedingungen importieren kann.

Die geopolitischen Entwicklungen zeigen, wie wichtig eine vorausschauende Energiepolitik ist. Gleichzeitig sollte die konkrete Beschaffung von LNG grundsätzlich den Unternehmen und dem Markt überlassen bleiben.

Damit Unternehmen langfristige Lieferbeziehungen aufbauen und Investitionen tätigen können, braucht es:  

  • Planungssicherheit: Verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für Investitionen in Gasbeschaffung und Infrastruktur. 
  • Realistische Gasnachfrageszenarien: Einen gemeinsamen strategischen Ausblick von Politik und Wirtschaft auf die Entwicklung des Gasbedarfs. 
  • Verlässlichkeit gegenüber internationalen Partnern: Eine klare Perspektive für die Rolle von Erdgas und LNG während der Transformation zur Klimaneutralität bis 2045. 
  • Marktliche Beschaffung: Rahmenbedingungen, die es Unternehmen ermöglichen, Gas effizient und eigenverantwortlich auf internationalen Märkten zu beschaffen. 
  • Langfristige Lieferverträge können zur Versorgungssicherheit beitragen. Dafür müssen internationale Lieferanten darauf vertrauen können, dass europäische Importeure verlässliche Vertragspartner bleiben. 

Können LNG-Terminals künftig auch für Wasserstoffimporte genutzt werden? 

LNG-Terminals können perspektivisch eine wichtige Rolle beim Import von Wasserstoff und Wasserstoffderivaten spielen. Dafür müssen die Anlagen allerdings technisch entsprechend ausgelegt oder umgerüstet werden.

Auch in einem klimaneutralen Energiesystem wird Deutschland voraussichtlich auf Energieimporte angewiesen bleiben. Deshalb ist es sinnvoll, bereits bei der Planung und beim Bau stationärer LNG-Terminals ihre mögliche spätere Nutzung für Wasserstoff und dessen Derivate zu berücksichtigen.

Der BDEW unterstützt die Transformation der Gasinfrastruktur zu einer klimaneutralen Energieversorgung. Gleichzeitig warnt der Verband vor zu starren Vorgaben, die Investitionen erschweren und den Aufbau der benötigten Infrastruktur verzögern könnten.

Das LNG-Beschleunigungsgesetz sieht vor, dass Genehmigungen für bestimmte LNG-Anlagen grundsätzlich bis zum 31. Dezember 2043 befristet sind. Ein anschließender Weiterbetrieb ist an die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Nutzung mit Wasserstoff beziehungsweise dessen Derivaten gebunden.

Für die Umstellung der Importinfrastruktur braucht es frühzeitig geeignete technische Konzepte, wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle und verlässliche politische Rahmenbedingungen (» zur BDEW-Studie). Besonders wichtig sind dabei die Maßnahmen, die bis 2030 für den Hochlauf der Wasserstoffimporte auf den Weg gebracht werden müssen.

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