CO2-Preis: Warum Einkommen allein soziale Härten nicht erklärt

Gleiches Einkommen, unterschiedliche Belastung: Warum sozialer Ausgleich beim CO2-Preis komplizierter ist als gedacht.

Illustration zu Energiewende und Kosten mit Eurozeichen, Prozentzeichen, Wohnhäusern, Auto, Fahrrad und städtischer Infrastruktur.

© Robert Albrecht / BDEW

 

Der CO2-Preis belastet Haushalte unterschiedlich, selbst wenn sie über ein ähnliches Einkommen verfügen. Eine 2026 veröffentlichte Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) mit Daten von rund 1,7 Millionen Haushalten aus 88 Ländern kommt zu dem Ergebnis, dass das Haushaltseinkommen allein zusätzliche Belastungen durch Klimapolitik meist nicht ausreichend vorhersagt. In Deutschland spielen unter anderem Wohnort, Mobilitätsmöglichkeiten und Heiztechnologie eine Rolle.

Unterschiede in der CO2-Intensität des Konsums können innerhalb ähnlicher Einkommensgruppen größer sein als zwischen verschiedenen Einkommensgruppen. Ein ausschließlich einkommensabhängiger sozialer Ausgleich erfasst solche Unterschiede daher nur begrenzt. Die Studie empfiehlt kein bestimmtes Ausgleichsmodell, sondern soll zu einer sachlicheren Debatte über Klimaschutz, soziale Flankierung und Entlastung beitragen.

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Der CO2-Preis verteuert fossile Energien wie Benzin, Heizöl oder Erdgas. Das belastet Haushalte unterschiedlich – selbst wenn sie über das gleiche Einkommen verfügen. Ein vereinfachtes Beispiel: Familie Meyer und Familie Müller wohnen auf dem Land und haben im Monat 2.500 Euro netto zur Verfügung. Familie Meyer ist vom CO2-Preis besonders betroffen, weil sie zur Miete in einem alten, schlecht gedämmten Haus mit Ölheizung wohnt. Zur Arbeit fährt sie 50 Kilometer weit mit dem Auto, weil es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt. Familie Müller wohnt dagegen zur Miete in einem gut gedämmten Neubau, der mit einer Wärmepumpe beheizt wird. Die Arbeitsstelle ist gut mit dem Bus zu erreichen. Obwohl beide Familien das gleiche Einkommen haben, fallen ihre direkten CO2-bedingten Belastungen für Wärme und Mobilität sehr unterschiedlich aus.

Eine Studie zeigt: Einkommen allein reicht oft nicht

Genau solche Unterschiede untersucht eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die im Sommer 2026 veröffentlicht wurde. Ihr zentraler Befund: Das Haushaltseinkommen allein reicht meist nicht aus, um vorherzusagen, wie stark Haushalte durch Klimapolitik zusätzlich belastet werden.

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Die Forscher werteten dafür Daten von rund 1,7 Millionen Haushalten aus 88 Ländern aus und untersuchten, wie unterschiedlich CO2-intensive Konsummuster innerhalb der Bevölkerung verteilt sind. Weitere Merkmale eines Haushalts können zusätzliche Belastungen durch Klimapolitik genauer erklären. Welche besonders wichtig sind, unterscheidet sich von Land zu Land, sagt Leonard Missbach, PIK-Forscher und Leitautor der Studie. Für Deutschland nennt er beispielsweise diese Faktoren: „Wie bewegt sich die Familie fort? Lebt sie auf dem Land oder in der Stadt? In welchem Bundesland oder in welcher Region wohnt sie? Mit welcher Technologie wird das Haus beheizt? Die Studie zeigt, wie groß die Heterogenität eigentlich ist.“

Liniendiagramm zum Preisaufschlag durch den CO₂-Preis für Heizöl, Diesel, Benzin und Erdgas von 2021 bis 2026.

Sozial- und Wohlfahrtverbände fordern seit Jahren, ein Klimageld durch gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte zu ergänzen. „Damit der Klimaschutz nicht vor allem Menschen mit wenig und mittlerem Einkommen belastet. Dazu gehört eine gezielte Förderung von E-Mobilität, die untere Einkommensgruppen beim Umstieg auf E-Autos durch eine Kaufprämie oder Social-Leasing-Modelle unterstützt“, erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele Ende Dezember 2025.

Einkommen allein erfasst soziale Härten nur grob

Besonders relevant für den sozialen Ausgleich ist dabei: Unterschiede in der CO2-Intensität des Konsums können innerhalb ähnlicher Einkommensgruppen größer sein als zwischen verschiedenen Einkommensgruppen. Ein allein am Einkommen orientierter Ausgleich erfasse solche Unterschiede deshalb nur begrenzt.

Seit 2021 gilt in Deutschland eine nationale CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe in Verkehr und Wärme. Sie verteuert unter anderem das Heizen mit Öl und Gas sowie das Fahren mit Benzin oder Diesel. Zugleich entstehen Einnahmen, die für Klimaschutz und Entlastungsmaßnahmen eingesetzt werden können. Wie ein solcher Ausgleich aussehen sollte, ist allerdings umstritten.

Infografik mit zwei Modellrechnungen zu jährlichen Mehrbelastungen durch den CO2-Preis für unterschiedliche Haushalte.

„Wollen wir ungleiche Belastungen reduzieren, sollten wir gezielt denjenigen helfen, die es besonders schwer haben, die Transformation zu meistern. Weil sie viel pendeln müssen oder noch mit Öl heizen. Von einem Klimageld, über das immer wieder debattiert wird, profitieren alle gleich, also auch diejenigen, die eine Wärmepumpe im Keller haben und keine Ölheizung“, sagt Leonard Missbach.

Ein bundesweites Klimageld wurde bislang nicht eingeführt. Über Form und Zielgenauigkeit eines sozialen Ausgleichs wird politisch weiter gestritten. Dabei entsteht ein Dilemma: Wenn ausschließlich die individuelle CO2-Belastung ausgeglichen werden soll, könnte ein Haushalt wie der von Familie Meyer stärker berücksichtigt werden. „Es kann natürlich sein, dass das nicht als fair empfunden wird, weil gesagt wird, die Familie verschmutzt doch deutlich mehr als die andere. Warum sollte sie deshalb mehr Geld erhalten als andere?“, gibt Studienautor Missbach zu bedenken.


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In der Studie selbst verzichten die Autoren auf eine konkrete Empfehlung für ein bestimmtes Ausgleichsmodell. Vielmehr soll die Untersuchung dazu beitragen, die Debatte über Klimaschutz, soziale Flankierung und Entlastung sachlicher zu führen. „Regierungen wissen oft nicht, wie sich die Kosten der Maßnahmen auf die Bevölkerung verteilen und wie sie diese Lasten so kompensieren können, dass die politische Akzeptanz gesichert ist“, sagt Missbach.

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