Dynamische Stromtarife: Für wen sie sich lohnen

Seit 2025 müssen Stromlieferanten dynamische Tarife anbieten. Wer kann davon profitieren – und was bringen sie dem Stromnetz?

Illustration eines blauen Bären und Bullen vor einer orangefarbenen Münze mit „1 Cent/kWh“ und Blitzsymbol, vor türkisfarbenen Bergen.

© Robert Albrecht / BDEW

 

Dynamische Stromtarife bieten Haushalten und Unternehmen vor allem dann Einsparpotenzial, wenn sie ihren Stromverbrauch flexibel in Zeiten niedriger Börsenpreise verschieben können. Der Arbeitspreis folgt dem Börsenpreis und kann sich jede Viertelstunde ändern; hohe Preise bergen entsprechend ein Kostenrisiko. Seit Anfang 2025 müssen alle Stromlieferanten dynamische Tarife anbieten. Voraussetzung für die Nutzung ist ein intelligentes Messsystem, das den Verbrauch im Viertelstundentakt erfasst und die Daten automatisch übermittelt.

Energiemanagementsysteme können etwa Batteriespeicher, Wärmepumpen und das Laden von Elektrofahrzeugen passend zu den Preisen steuern. Ohne solche Spielräume bleibt der Nutzen begrenzt. Verbrauchsverschiebungen können helfen, erneuerbaren Strom besser zu nutzen. Sie entlasten jedoch nicht automatisch das lokale Verteilnetz, weil Börsenpreise und Netzbelastung unterschiedliche Signale senden können.


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Wenn der Strompreis fällt, lädt im Modehaus Klingemann in Höxter der Batteriespeicher. „Der Speicher lädt in günstigen Stunden und versorgt das Haus, wenn die Preise steigen oder die PV-Anlage wenig Strom erzeugt“, sagt Geschäftsführer Jens Klingemann. „Das läuft komplett automatisch, ohne Eingriff ins Tagesgeschäft. So steigern wir nicht nur die Autarkie, sondern senken durch die Optimierung auf den dynamischen Stromtarif unsere Stromkosten deutlich.“ Ein Energiemanagementsystem gleicht Verbrauch, Erzeugung und Börsenpreise ab und erstellt daraus einen Fahrplan.

Seit Anfang 2025 müssen alle Stromlieferanten dynamische Tarife anbieten. Fast zwei Jahre später lässt sich ein erstes Zwischenfazit ziehen: Wer Stromverbrauch verschieben kann, kann profitieren. Wer kaum flexibel ist, deutlich weniger.

Flexibilität entscheidet

Bei einem dynamischen Tarif ist der Arbeitspreis nicht fest vereinbart. Er folgt dem Börsenpreis und kann sich für jede Viertelstunde ändern. Am Day-Ahead-Markt werden Preise für die 96 Viertelstunden des folgenden Tages gebildet.  Ist viel Strom verfügbar und die Nachfrage gering, sinken die Preise; wird Strom knapper, steigen sie.

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Auch Unternehmen mit großen elektrischen Fahrzeugflotten sehen Potenzial. Die DHL Group beschäftigt sich intensiv damit, sagt Pressesprecherin Sarah Preuß: „Wir sehen insbesondere Potenzial bei der Ladung unserer Zustellfahrzeuge über Nacht durch die Verschiebung von Ladevorgängen. Für unser Unternehmen ist das von besonderer Bedeutung, da wir allein in Deutschland bereits rund 40.000 Elektrofahrzeuge in der Zustellung und eine stetig wachsende Zahl von E-Lkw einsetzen.“  

Doch nicht alle Unternehmen können den Betrieb ihrer Anlagen und Maschinen in günstige Stunden verschieben. Ein dynamischer Tarif kann dennoch sinnvoll sein, sagt Frank Blessing, Geschäftsführer des Energiemanagement-Anbieters Coneva: „Wenn ihr Lastgang gut zu den Marktpreisen passt, etwa weil sie viel Strom tagsüber in sonnenreichen, günstigen Stunden verbrauchen.“  

Infografik zu dynamischen Stromtarifen: E-Autos laden automatisch bei niedrigen Börsenstrompreisen. Ein Diagramm zeigt den Preisverlauf.

Was private Haushalte beachten sollten

Bei Privathaushalten hängt der Nutzen ebenfalls stark vom Verbrauchsprofil ab. Für einen Haushalt, der 2.000 Kilowattstunden pro Jahr verbrauche, lohne er sich nicht, sagt Thomas Zwingmann, Leiter der Gruppe Energie und Klima bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Interessant sei er dagegen für Haushalte, die ein Elektroauto fahren und mit einer Wärmepumpe heizen. „Das E-Auto können Sie nachts laden, wenn Strom sehr günstig ist. Bei einer Wärmepumpe sind sie nicht so flexibel. Wenn sie jedoch einen großen Wärmespeicher haben, können Sie entscheiden, ob die Wärmepumpe jetzt anspringen muss oder erst zwei Stunden später.“

Automatisierung als Schlüssel

Wer einen dynamischen Stromtarif nutzen möchte, braucht ein intelligentes Messsystem (iMSys). Es erfasst den Verbrauch im 15-Minuten-Takt und übermittelt die Daten automatisch an den Stromlieferanten.

Energiemanagementsysteme können zusätzlich Batterien laden, Wärmepumpen steuern oder Ladevorgänge verschieben. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Spedition Rüdinger mit rund 700 Beschäftigten. Sie rüstet die Fahrzeugflotte auf E-Lkw um und nutzt seit Januar 2026 einen dynamischen Stromtarif. Die Steuerung übernimmt ein intelligentes Lademanagementsystem.

„Wenn die Strompreise sehr hoch sind, steigen natürlich die Energiekosten. Dieses Risiko tragen wir als Unternehmen allein. Doch Diesel ist noch teurer und für uns ist klar: Die Zukunft ist elektrisch“, sagt Max Rüdinger.

Auswirkungen auf das Netz

Dynamische Tarife können Verbrauch in Zeiten niedriger Börsenpreise verschieben. Das sind häufig Stunden, in denen viel Strom am Markt verfügbar ist, etwa bei hoher Wind- oder Solarstromerzeugung. So können flexible Verbraucher helfen, erneuerbaren Strom besser zu nutzen.

Mit einer direkten Netzentlastung ist das jedoch nicht gleichzusetzen. Ein niedriger Börsenpreis bedeutet nicht automatisch, dass auch das lokale Verteilnetz wenig belastet ist. Marktpreis und Netzsituation können unterschiedliche Signale senden. Für eine gezielte Entlastung lokaler Lastspitzen braucht es deshalb zusätzlich netzbezogene Anreize und Steuerungsinstrumente.


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Fast zwei Jahre nach Einführung der Angebotspflicht zeigt sich: Dynamische Stromtarife sind kein Sparmodell für alle. Ihr Potenzial ist dort am größten, wo Lasten flexibel und möglichst automatisiert gesteuert werden können. Für Verbraucher ohne solche Spielräume bleibt der Nutzen begrenzt.

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