Die kommunale Wärmeplanung in Deutschland geht von der Erstellung strategischer Pläne in die Umsetzung über. Bis zum 30. Juni 2026 mussten Städte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ihre Wärmepläne vorlegen; kleinere Kommunen haben bis Mitte 2028 Zeit. Eine Analyse von 377 Wärmeplänen aus 938 Gemeinden zeigt, dass Wärmepumpen bis 2045 rund 41 Prozent und Wärmenetze 36 Prozent des Wärmebedarfs decken sollen.
Die Umsetzung erfordert jedoch konkrete Investitionen, den Ausbau der Infrastruktur und belastbare Annahmen zum künftigen Wärmebedarf. Laut einer Befragung des Kompetenzzentrums kommunale Wärmeplanung halten 46 Prozent der Kommunen ihre Planungen für realistisch. Finanzierungsprobleme, unsichere Anschlussquoten und regulatorische Rahmenbedingungen erschweren den Übergang von der Planung zum Bau konkreter Wärmeversorgungsprojekte.
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Am 30. Juni dieses Jahres war der Stichtag für alle Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern: Sie mussten ihre kommunalen Wärmepläne vorlegen. 74 der 80 Großstädte haben pünktlich abgeliefert. Und auch von den kleineren Kommunen, die laut Wärmeplanungsgesetz (WPG) bis Mitte 2028 Zeit für die Abgabe ihrer Pläne haben, liegen bereits etwa ein Drittel der Pläne vor.
Doch ein Wärmeplan ist zunächst ein strategisches Zielbild. Entscheidend ist deshalb nicht nur, was die Kommunen planen, sondern auch, wie belastbar diese Pläne für die anschließende Umsetzung sind.
Umfassende Analyse kommunaler Wärmepläne zeigt große Ambitionen
Im Rahmen der zweiten Projektphase von KOMpare wurden 377 kommunale Wärmepläne aus 938 Gemeinden systematisch untersucht. Das Ergebnis: Während heute noch etwa drei Viertel der Wärmeversorgung auf fossilen Energieträgern wie Erdgas und Heizöl basieren, setzen die kommunalen Pläne auf eine nahezu vollständige Dekarbonisierung bis 2045.
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Die Wärmeversorgung der Zukunft setzt dabei vor allem auf Wärmepumpen und Wärmenetze: Wärmepumpen sollen 41 Prozent und Wärmenetze 36 Prozent des Bedarfs decken. Zwei Drittel aller Kommunen planen nicht mit Wasserstoff. Zwischen diesen Zielen und einer tatsächlich verfügbaren Wärmelösung liegen jedoch weitere Schritte: Betreiber müssen Projekte konkretisieren und finanzieren, Infrastruktur muss gebaut und die tatsächliche Nachfrage berücksichtigt werden. Erst dann wird aus Planung Umsetzung.
Realitätscheck mit Unsicherheiten
Laut der untersuchten Pläne soll bis 2045 der Endenergiebedarf für Wärme um rund 29 Prozent sinken. Viele der zugrunde gelegten Sanierungsraten übersteigen jedoch die historischen Erfahrungswerte erheblich.
Eine aktuelle Befragung des Kompetenzzentrums kommunale Wärmeplanung (KWW) ergab, dass von 778 befragten Kommunen 46 Prozent die Planungen für realistisch halten. Weitere 46 Prozent bewerten sie als nicht realistisch, acht Prozent sogar als nicht umsetzbar. 40 Prozent der Kommunen befinden sich schon in der Umsetzungsphase, aber nur elf Prozent sind bereits in der aktiven Bauplanung.

Darin zeigt sich ein zentrales Spannungsfeld: Investitionsentscheidungen müssen heute auf Annahmen über Sanierung, Wärmebedarf und Anschlussquoten gestützt werden, die sich erst über viele Jahre bestätigen werden.
Robert Brückmann vom KWW sieht die Wärmeplanung als laufenden Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist: "Wenn sich bestätigen sollte, dass Annahmen zu optimistisch oder gar zu pessimistisch sind, werden diese neuen Erkenntnisse wieder in der Fortschreibung der kommunalen Wärmeplanung einfließen.”
Investitionen brauchen belastbare Grundlagen
Um bestehende Gasnetze zu transformieren und Wärmenetze auszubauen und zu dekarbonisieren, müssen Milliarden investiert werden. Die Haushaltslage der Kommunen bzw. fehlendes Eigenkapital ist laut der Befragung unter den Kommunen die größte Herausforderung bei der Finanzierung von Wärmenetzen. Danach folgt die Unsicherheit über die Anschlussquote und den künftigen Wärmebedarf.
Gerade bei Investitionen mit langen Laufzeiten sind belastbare Annahmen entscheidend. Netzbetreiber müssen abschätzen können, wie sich die Nachfrage entwickelt und ob genügend Kunden ein Wärmenetz tatsächlich nutzen werden. Dabei spielen große Abnehmer eine wichtige Rolle.
Nach Angaben des KWW hätten Industriekunden vielerorts stärker in die Wärmeplanungen eingebunden werden sollen. Werden ihre aktuellen und künftigen Wärmebedarfe nicht ausreichend berücksichtigt, entsteht Planungsunsicherheit auf beiden Seiten: Betreiber können Nachfrage und Netzauslegung schwerer abschätzen, während Unternehmen weder fundierte Investitionsentscheidungen treffen noch ihre künftige Wärmeversorgung zielgerichtet planen können.

München setzt auf Fernwärme
Wie eng Planung, Investitionen und verlässliche Rahmenbedingungen zusammenhängen, zeigt das Beispiel München. Die Stadt setzt bei ihrer künftigen Wärmeversorgung stark auf den Ausbau der Fernwärme. Damit daraus langfristig tragfähige Investitionen werden können, müssen jedoch auch Regulierung und Refinanzierung verlässlich ineinandergreifen. Darauf verwies Hans Lerchl, Leiter Energiewirtschaft der Stadtwerke München, vor einigen Wochen in einer Bundestagsanhörung.
Lerchl bringt damit auf den Punkt, worauf es beim Schritt vom Wärmeplan zur Umsetzung ankommt: „Genau diese Voraussetzungen werden durch derzeitig bestehende Inkonsistenzen im regulatorischen Gesamtrahmen der Wärmewende jedoch zunehmend infrage gestellt.“
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