Extreme Hitze auf der einen Seite, extreme Niederschläge auf der anderen: Viele deutsche Kommunen sind noch nicht ausreichend auf Extremwetterlagen vorbereitet. Auch Wasserversorger müssen sich der veränderten klimatischen Realität stellen, um zukunftsfähig zu bleiben.
Schwammstadt als Antwort auf Starkregenereignisse
Da eine Zunahme von Extremwetterereignissen trotz aller Klimaschutzbemühungen nicht mehr aufzuhalten sein wird, müssen wir uns deutlich systematischer und zugleich zielgerichteter als bisher an die lokalen Auswirkungen des Klimawandels anpassen. Es braucht Versickerungsflächen in Städten, damit das Wasser dezentral in den Boden sickern oder durch Pflanzen aufgenommen werden kann. Es dürfen dementsprechend nicht mehr so viele Flächen versiegelt werden, zum Beispiel durch Asphalt oder Bebauung. Die Gefahr durch starke Regenfälle steigt, wenn durch den Zubau neuer Wohn- und Gewerbegebiete Versickerungsflächen fehlen. Daher müsste das Regenwassermanagement durch „Schwammstadtkonzepte“ gestärkt werden.
Die Umsetzung von "Schwammstadtkonzepten" erfolgt durch eine Kombination aus technischen, naturnahen und planerischen Maßnahmen. Dazu zählen zum Beispiel die Entsiegelung von Flächen, Grünflächen, Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasserrückhalt und -nutzung sowie Versickerungsmulden, Rigolen und Retentionsflächen.
Klimafolgenanpassung erfordert erhebliche Investitionen
In den kommenden Jahren werden auf die deutschen Wasserversorger erhebliche Investitionen in Erneuerung, Erhaltung und Erweiterung der bestehenden Infrastruktur zukommen. Ein Teil dieser Investitionen wird durch klimawandelinduzierte Anforderungen bedingt, die aufgrund unterschiedlicher Klimafaktoren wie zum Beispiel Trockenperioden oder Extremwetterereignisse ausgelöst werden. Eine Studie des BDEW und DVGW kommt zu dem Schluss, dass Wasserversorger in den nächsten zehn Jahren für die Auswirkungen des Klimawandels zwischen 3,2 und 13,5 Milliarden Euro zusätzlich investieren müssen.
Als ein wesentlicher Treiber für klimawandelinduzierte Investitionen identifiziert die Studie die zunehmend schwankenden Lastanforderungen an die Wasserversorgung, bedingt durch steigende Spitzenlasten in Trockenperioden. Ein weiterer wesentlicher Treiber ist der zunehmende Aufwand in die bautechnische Umsetzung, wie tiefere Einbautiefen für Leitungen und stärkere Isolierung von Wasserbehältern, um den steigenden Temperaturen zu begegnen und die Wassertemperatur konstant niedrig zu halten. Der Klimawandel hat also längst konkrete finanzielle Auswirkungen auf die Wasserversorgung in Deutschland.
Langfristige stabile Finanzierung sichern
Für diese zusätzlichen Finanzierungbedarfe aus der Generationenaufgabe der Klimafolgenanpassung benötigt die Wasserwirtschaft eine langfristig stabile Finanzarchitektur. Allein die Finanzierung durch Gebühren und Entgelt der Verbraucherinnen und Verbraucher wird dafür nicht ausreichen. Notwendig ist eine langfristige und belastbare Förderung durch öffentliche Mittel, beispielsweise aus dem Sondervermögen Infrastruktur oder dem Klima- und Transformationsfonds.
Neben einer gesicherten Finanzierung sind dabei auch eine Vereinfachung und Verkürzung der behördlichen Genehmigungsverfahren notwendig – analog zum Vorgehen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Deshalb muss die Wasserwirtschaft von den Infrastrukturfördermitteln des Bundes profitieren. Wir müssen heute die richtigen Investitionsentscheidungen treffen, um auch morgen eine sichere und qualitativ hochwertige Wasserversorgung gewährleisten zu können.
Klimafolgenanpassung: Welche Faktoren die Wasserversorgung resilienter machen
Wassernutzung in Industrie und Landwirtschaft muss im Einklang mit der öffentlichen Wasserversorgung stehen. Dabei muss die Trinkwasserversorgung Vorrang haben, insbesondere unter extremen klimatischen Bedingungen wie beispielsweise einer Dürre. Voraussetzung für ein wasserseitiges Krisenmanagement sind transparente Wasserentnahmen und ihre flächendeckende Erfassung. Genehmigungs‑ und Planungsverfahren für wasserwirtschaftliche Infrastruktur müssen zudem beschleunigt werden. Der BDEW verweist darauf, dass Verfahren analog zu denen im Bereich der Erneuerbare Energien gestaltet werden sollten. Sie müssen konsequent verfolgt und umgesetzt werden. Dazu bedarf es der Bereitstellung entsprechender Finanzierungsmittel sowie der Schaffung eines klar definierten, verbindlichen Rechtsrahmens. Der Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung sollte in rechtlichen Vorgaben auf EU‑ und nationaler Ebene verankert werden.
Die Infrastruktur der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung muss auf Trockenzeiten und Starkregenereignisse ausgerichtet werden. Erforderlich ist unter anderem der Neu- und Ausbau von Speicher- und Aufbereitungskapazitäten sowie Leitungs- und Kanalnetzen. Mit dem Bau von Wasserfernleitungen werden überregionale Verbünde geschaffen, die die lokale Wasserversorgung im Bedarfsfall stützen können. Im urbanen Raum ist ein Paradigmenwechsel erforderlich: Weniger Wasserabführung, mehr Rückhalt und Versickerung. Dafür müssen Flächen entsiegelt werden, Dächer und Fassaden begrünt und sogenannte Schwammstadt-Konzepte umgesetzt werden.
Die Ressourcen zur Trinkwasserbereitstellung für nachfolgende Generationen dürfen nicht gefährdet werden. Daher ist der Gewässer- und Grundwasserschutz von zentraler Bedeutung. Schadstoffeinträge sind an der Quelle zu vermeiden. Dazu muss das Vorsorge- und Verursacherprinzip aus Sicht der Wasserwirtschaft gestärkt werden. Verursacher von Gewässerbelastungen müssen über eine erweiterte Herstellerverantwortung in die Pflicht und die finanzielle Verantwortung genommen werden.
In den kommenden Jahren stehen die deutschen Wasserversorger vor erheblichen Investitionen in Erneuerung, Erhaltung und Ausbau ihrer Infrastrukturen. Ein wesentlicher Teil dieser Investitionen wird durch die Auswirkungen des Klimawandels verursacht.
Hitzewelle: Sorgsamen Umgang mit Wasser sicherstellen
Aus Sicht des BDEW ist der sorgsame Umgang mit Wasserressourcen zwingend erforderlich – nicht nur, aber besonders während einer Hitzewelle. Hierzu können alle beitragen: Städte und Gemeinden durch die Einschränkung von Nutzungsmöglichkeiten, wie etwa bei der Gartenbewässerung oder Pool-Benutzung, aber auch Industrie und Landwirtschaft.
Die Sicherstellung der Wasserversorgung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die über die Wasserwirtschaft hinaus auch viele andere Sektoren betrifft. Grundsätzlich sind alle Gruppen aufgefordert, Wasser effizient einzusetzen. Dies betrifft auch die Industrie mit der Optimierung von Kreislaufprozessen bei der industriellen Wassernutzung. So sollte beispielsweise in Industrie- und Gewerbeanlagen die zukünftige Nutzung von Wasser mit der Nutzung von Best-Practice-Ansätzen in vergleichbaren Industrie- und Gewerbeanlagen verknüpft werden. Dies gilt insbesondere für Neuansiedlungen.
Auch die Landwirtschaft ist gefordert, effiziente Beregnungsmöglichkeiten einzusetzen, die eine geringe Verdunstung des Wassers bedeuten, wie zum Beispiel die Tröpfchenbewässerung. Hier sollte ein klimaangepasster Pflanzenanbau gefördert werden.
Neben der Nachfrage muss auch die regionale Erhöhung des Wasserangebots durch Infrastrukturerweiterungen umgesetzt werden – zum Beispiel durch Neu- und Ausbau von Wasserwerken oder neue Leitungsanbindungen.