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Dunkelflauten: Was sie für das Energiesystem bedeuten

Kritiker der Energiewende beschwören regelmäßig die Risiken einer Dunkelflaute. Die Sorgen sind unbegründet - eine Einordnung.

Ein Windrad steht still im Wolkenmeer während einer Dunkelflaute.

© Sander Weeteling / Unsplash

 

Was ist eine Dunkelflaute?

Einfach ausgedrückt scheint während einer Dunkelflaute für längere Zeit keine Sonne und es weht kein Wind. Häufig handelt es sich hierbei um Großwetterlagen im Winterhalbjahr, die in ganz Europa auftreten können. Diese Situation wird dann als „kalte Dunkelflaute" bezeichnet: wenig Wind und kurze Tage mit geringer Sonneneinstrahlung bei gleichzeitig hoher Stromnachfrage durch kalte Temperaturen.

Diese Wetterkonstellation führt dazu, dass weniger Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen erzeugt wird. Die beiden Technologien sind die Hauptbausteine des erneuerbaren Strommix' in Deutschland. In der Regel springen dann steuerbare Stromerzeuger wie Gaskraftwerke ein. Eine weitere Möglichkeit, die Stromversorgung zu sichern: Wenn es im Ausland billigeren Strom gibt, wird dieser importiert.

Welche Auswirkungen haben Dunkelflauten auf die Strompreise?

Preisschwankungen, vor allem an der Strombörse, sind nichts Ungewöhnliches. Sie sind Ausdruck eines Marktes, an dem das Gesetz von Angebot und Nachfrage herrscht. Zentraler Punkt aus Kundenperspektive: Die täglichen Schwankungen an der Strombörse haben praktisch keine Auswirkungen auf den tatsächlichen Strompreis, den Privathaushalte bezahlen (mehr dazu siehe unten).

Es gibt Stunden mit günstigen oder sogar negativen Strompreisen. Das passiert etwa bei einer Hellbrise, dem Gegenteil der Dunkelflaute. An sonnigen und gleichzeitig windigen Tagen erzeugen Photovoltaik- und Windkraftanlagen viel Strom. Besonders wenn die Nachfrage dann gleichzeitig gering ist, etwa an Wochenenden oder Feiertagen, sinkt der Strompreis, mitunter ins Negative.

Umgekehrt gibt es auch Zeiträume, an denen die Preise an der Strombörse stark anziehen. Das kann etwa während einer Dunkelflaute passieren. Auch andere Faktoren wie zum Beispiel gestiegene Kosten für fossile Kraftstoffe, geopolitische Krisen, eine wetterbedingt hohe Stromnachfrage oder der kurzfristige Ausfall von Kraftwerken in europäischen Nachbarländern können den Börsenstrompreis beeinflussen.

Was bedeutet das für Stromkunden?

Für Privathaushalte und viele Unternehmen sind die Ausschläge an der Strombörse nicht entscheidend. Durch langfristige Lieferverträge spüren sie in der Regel wenig davon. Sie beziehen ihren Strom über einen Versorger, der die Preisrisiken über eine sogenannte strukturierte Beschaffung im Voraus langfristig am Terminmarkt absichert.

Für die überwiegende Zahl der privaten Kundinnen und Kunden sind daher vor allem langfristige Durchschnittspreise wichtig.

Versorgungssicherheit auch bei Dunkelflauten gewährleistet

Klar ist: Die Stromversorgung muss rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr gewährleistet sein. Versorgungssicherheit steht für die Energiewirtschaft an oberster Stelle. Dunkelflauten haben in der Vergangenheit die Versorgungssicherheit jedoch zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Die Stromversorgung in Deutschland hat eine der niedrigsten Ausfallquoten weltweit.

Damit es nicht zu Versorgungsausfällen kommt, stehen außerhalb des Strommarktes Reservekraftwerke zur Verfügung. Diese springen ein, bevor es zu kritischen Situationen kommen kann. Das sind beispielsweise die Netz- und die Kapazitätsreserve. Dies sind in den meisten Fällen alte Kraftwerke, die teilweise schon viele Jahre in der Reserve sind. Sobald neue Kraftwerke in räumlicher Nähe in Betrieb gehen, können diese Kraftwerke stillgelegt werden. Daher werden über das StromVKG neue Kraftwerke ausgeschrieben.

Mit fortschreitendem Ausbau steigt der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix. Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit hat dieser Anstieg jedoch nicht. Im Gegenteil: Die zunehmende Entkoppelung von den globalen Brennstoffmärkten für Kohle, Gas und Öl hat selbst nach der Sperrung der Straße von Hormus im März 2026 für vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die deutschen Preise gesorgt.

Die Weichen dafür, dass auch künftig die Versorgungssicherheit in einem auf Erneuerbaren basierenden Energiesystem gewährleistet sein wird, wurden im Sommer 2026 mit dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) gestellt.

BDEW-Position: Zubau gesicherter Leistung zur Abdeckung von Dunkelflauten notwendig

Das deutsche Energiesystem braucht den Zubau gesicherter Leistung. Für Dunkelflauten und den Kohleausstieg ist neben einem kontinuierlichen Erneuerbaren-Ausbau der Zubau flexibler wasserstofffähiger Gaskraftwerke ebenso notwendig wie die Realisierung von Speichern, Flexibilitäten und Demand Side Management. Wasserstofffähige Gaskraftwerke können schnell einspringen, wenn Wind und Sonne nicht genug Energie liefern – und auf diese Weise Strompreisspitzen abmildern. Alle Maßnahmen zusammengenommen schaffen ein belastbares Energiesystem, in dem die Versorgungssicherheit stets gewährleistet sein wird.

Mit dem Strom-Versorgungssicherheits- und -Kapazitätengesetz (StromVKG), das im Juli 2026 im Bundestag verabschiedet wurde, hat die Bundesregierung den Weg für den Zubau gesicherter Leistung freigemacht. Die EU-Kommission muss das StromVKG noch beihilferechtlich genehmigen. Damit wäre ein zentraler Grundstein für eine auch in Zukunft sichere Stromversorgung gelegt.

Darüber hinaus hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie einen Kapazitätsmarkt mit Wirksamkeit ab 2032 als Nachfolgeinstrument des Strom-VKG angekündigt.

Marktsignale lenken Investitionen in künftiges Energiesystem

Das Stromsystem der Zukunft braucht mehr Speichertechnologien und Flexibilitäten, damit Erzeugung, Verbrauch und Speicherung künftig noch besser und kostengünstiger in Einklang gebracht werden können. Diese sollen über einen Kapazitätsmarkt und Preisausschläge nach oben und unten angereizt werden. Sie signalisieren der Energiebranche, wo investiert werden muss: in innovative Technologien wie Wasserstoff-Elektrolyseure und Batteriespeicher.

Ausblick: Immer mehr Speicher tragen zusätzlich zur Versorgungssicherheit bei

Gegner der Energiewende machen mit dem Begriff "Dunkelflaute" regelmäßig mobil. Aktuelle Entwicklungen im Energiesystem sind längst weiter. Jan Rosenow, Professor für Energie- und Klimapolitik am Environmental Change Institute der Universität Oxford, argumentiert, die Angst vor der Dunkelflaute sei stark übertrieben und "altes Denken", eine andere Wirklichkeit zeichne sich ab.

Bei der Überbrückung von kurzen Dunkelflauten könnten neben Kraftwerken und Nachfrageflexibilität zunehmend Batteriespeicher unterstützen. Sie würden vom Randphänomen zum Rückgrat der Energiewende, die die Volatilität der Erneuerbaren zeitlich und räumlich überbrücken könnten.

Stromspeicher ermöglichen es, wetterbedingte Schwankungen bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne auszugleichen. Dadurch erhöhen sie die Versorgungssicherheit und unterstützen den stabilen Betrieb des Stromnetzes – ein echter Hebel für den Erfolg der Energiewende.

Die installierte Leistung von Stromspeichern ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Batteriespeicher unter 30 Kilowattstunden (kWh) haben am stärksten zu diesem Wachstum beigetragen. Auch der Ausbau von Großbatteriespeichern hat sich in jüngster Zeit verstärkt.

Perspektivisch wird auch Wasserstoff als Speicher für Erneuerbare Energien genutzt werden. Überschüssiger Strom von Erneuerbaren-Energien-Anlagen wird in Wasserstoff umgewandelt und später bei Bedarf wieder in Strom oder Wärme zurückverwandelt. In einer Zeit, in der Versorgungssicherheit, Klimaneutralität und wirtschaftliche Resilienz gleichermaßen gefragt sind, liefert Wasserstoff entscheidende Antworten.

Häufige Fragen zu Dunkelflauten

Analysen der Wetterdaten zeigen, dass es in Mitteleuropa praktisch jedes Jahr mehrere Dunkelflauten gibt. Deshalb werden sie bei der Planung eines klimaneutralen Stromsystems von Anfang an berücksichtigt. Sie sind kein Ausnahmefall, sondern ein regulär einzuplanendes Wetterereignis.

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Definitionen, was eine Dunkelflaute ist und wie niedrig die Erzeugung aus Wind und Photovoltaik sein muss, damit eine Dunkelflaute vorliegt. Weil es keine allgemeingültige Definition gibt, kann man pauschal keine durchschnittliche Dauer angeben.

Grundsätzlich messen Studien häufig kurze Dunkelflauten, aber selten solche, die länger als sieben Tage auftreten. Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) definiert eine Dunkelflaute als wenig Wind und Sonne für 48 Stunden. Diese treten laut der Studie rund vier Mal im Jahr auf und dauern 82 Stunden.

Eine Studie von Uniper kommt zu einem anderen Ergebnis: Sie messen 144 Dunkelflauten im Jahr mit einer durchschnittlichen Dauer von 13 Stunden. Die Beispiele zeigen: Je nach Definition fallen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus.

Nein. Die Energiewirtschaft ist seit Jahren auf die volatile Stromerzeugung durch die Erneuerbaren Energien eingestellt und gewährleistet unabhängig davon einen sehr hohen Grad an Versorgungssicherheit.

In den vergangenen Jahren wurde ein immer größerer Anteil des Stromverbrauchs in Deutschland mit Erneuerbaren Energien gedeckt. Auf die Versorgungssicherheit hatte dieser Anstieg jedoch keinerlei Auswirkungen.

Während einer Hellbrise ist die Sonneneinstrahlung stark und es weht ein stetiger Wind.

Kürzere und längere Dunkelflauten ereignen sich mehrfach im Jahr. Eine größere Dunkelflaute, die sich auch öffentlichkeitswirksam an der Strombörse bemerkbar machte, ereignete sich Mitte Dezember 2024. Am Abend des 12. Dezembers 2024 stieg der Börsenstrompreis auf mehr als das Zwölffache des durchschnittlichen Spotmarktpreises im bisherigen Jahresverlauf. Etwa zwei Stunden danach hatte sich der Börsenstrompreis wieder normalisiert.

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